Foto: Bjørn-Ole Kehm
Eine Niederlage, aus der sich einige Lehren ziehen lassen, musste der Buxtehuder SV am 4. Spieltag der Alsco HBF hinnehmen. Gegen die HSG Bensheim/Auerbach verlor der BSV vor 982 Zuschauern am Samstagnachmittag in der Halle Nord mit 25:30 (14:17). Ein anbahnendes Comeback nach größerem Rückstand bekamen die Buxtehuderinnen trotz 21 Paraden von Nikki van der Vorst und Oliwia Kaminska nicht vollendet.
Nach dem Abpfiff sanken die Köpfe der Buxtehuder Spielerinnen zu Boden. Zu groß war die Enttäuschung über die Niederlage gegen Bensheim, die durchaus vermeidbar gewesen wäre. Und genau das schien den Spielerinnen in diesem Moment durch den Kopf zu gehen. Zuvor waren die Gastgeberinnen nach sechs Toren Rückstand in einem Kraftakt wieder auf 21:22 heran, ehe sich der Spielverlauf wieder komplett drehte.
Das zweite Heimspiel der Saison begann gut: Isa Ternede und Aida Mittag brachten den BSV mit 2:0 in Führung. Doch schnell zeigten beide Teams zahlreiche technische Fehler, die sich phasenweise durch die neugestalteten Kader auf beiden Seiten durchziehen zu Beginn der Saison. Deshalb setzten sich die Gäste auf 4:6 kurzzeitig ab, die Antwort folgte aber durch Paraden von Nikki van der Vorst und erfolgreichen Abschlüssen zum 7:7 sofort. Der BSV hatte insbesondere mit Jule Polsz und Cara Reuthal große Probleme.
Die Gäste blieben defensiv sehr passiv am Sechsmeterraum und machten auch selten nur einen Schritt nach vorne, was es der Buxtehuder Offensive schwer machte, in ihre Eins-gegen-Eins-Situationen zu kommen. Deshalb reagierte Trainer Jonas Schlender und brachte im Rückraum Ruslana Litvinov und Nele Franz. Litvinov zog direkt mit ihrem ersten Ballkontakt mit Überzeugung durch die Bensheimer Deckung und traf. Kapitänin Nele Franz schraubte mehrfach aus dem Stand Schlagwürfe in den Winkel des Gästetores.
Vor der Pause wurde die BSV-Deckung etwas unachtsam und ließ Bensheim zu einfachen Toren kommen, weshalb sich der letztjährige Pokalfinalist bis zum Pausenpfiff absetzte und es mit einem 14:17 in die Halbzeit ging. Nur kurz nach dem Wiederbeginn stand es 15:21 und die Buxtehuderinnen haderten mit ihrem Wurfpech und den Ballverlusten. Es war dann Ruslana Litvinov, die mit ihrer Explosivität für Unruhe in der Bensheimer Deckung sorgte und die Initialzündung zur Aufholjagd gab.
Johanna Andresen brachte die Halle Nord zum Beben beim Anschlusstreffer zum 21:22 (43.) und der Glaube war mehr denn je zurück, dass die Gastgeberinnen nun ihren Flow gefunden hätten. Doch sechs Minuten später erhöhte Bensheims Lena Degenhardt bereits wieder auf 22:26 und aus der Euphorie wurde Unruhe. Mit Carina Senel als einzige Kreisläuferin fehlten Schlender dort die Alternativen, denn Lucy Strauchmann musste wegen einer Mandelentzündung passen. Außerdem fehlten weiterhin Fleur Schouten (Patellasehne) und Larissa Kroepel (Reha). Zeitweise versuchte es der Cheftrainer mit Johanna Andresen und Carina Senel zeitgleich am Kreis, aber auch das wusste die Bensheimer Abwehr größtenteils zu verteidigen.
Letztendlich zogen die Gäste Stück für Stück davon, da der BSV sich im Zuge der Hektik und Unruhe im eigenen Angriffsspiel um die Möglichkeiten brachte.
Nikki van der Vorst, Isa Ternede (beide Niederlande) und Sophie Fasold sind mit ihren Nationalmannschaften nun auf Reisen. Nach der Länderspielpause steht am 3. Oktober um 16 Uhr das Achtelfinale im DHB-Pokal gegen die Sport-Union Neckarsulm in der Halle Nord an. Tickets für das Pokalduell gibt es im Online-Ticketshop des BSV oder auf der Geschäftsstelle.
Es spielten für den BSV: Nikki van der Vorst, Oliwia Kaminska, Sophie Fasold – Maj Nielsen (6/1), Aida Mittag (1), Lilli Frey (1), Paula Mews (1), Anika Hampel, Enna Oberländer, Johanna Andresen (1), Nele Franz (4), Christin Kaufmann, Isa Ternede (6), Carina Senel, Lin Lück, Ruslana Litvinov (5)
Jonas Schlender: „In der starken Phase der zweiten Halbzeit machen wir es sehr gut, pushen uns, nehmen die Halle mit – und dann werden wir plötzlich zu hektisch. Machen dadurch einfache Fehler, was sehr schade ist, weil da heute mehr drin war. Wir erkämpfen uns mit starker Abwehr etliche Bälle, machen dann aber leider vorne zu viele Fehler. Da sind einige hängende Köpfe jetzt, die aber aus meiner Sicht nicht sein müssen. Wir haben gegen eine Top-Mannschaft wie Bensheim über weite Strecken ein gutes Spiel gemacht, wenn man von den Problemen im Tempospiel absieht. Darauf werden wir in der Pause jetzt schauen und an der Entwicklung arbeiten.“
Nele Franz: „Bensheim kam heute selten raus und deshalb habe ich da meine Chance für die Schlagwürfe gesehen, das hat dann auch ganz gut geklappt. Ich glaube, wir haben heute zeitweise Tempo mit Hektik verwechselt und verlieren am Ende verdient. Dem Team muss bewusst werden, dass das ein Spiel von vielen war und wir vier Punkte erstmal haben. Das Spiel jetzt müssen wir als Lehre nehmen und dadurch nicht unseren Glauben verlieren. Gegen Neckarsulm wird es ein anderes Spiel und mit dem Pokal dazu ein anderer Wettbewerb.“



