Wie alles begann…

Die Geschichte vom Aufstieg aus der 3. Hamburger Liga ins Oberhaus 13 Jahre, ein Mann, eine Mission und ein absolut einmaliger Erfolg:

Das Wunder von Buxtehude beginnt 1976 im Jahnstadion!

 

Welthandballerin Svetlana Kitic spielte ein Jahr für den BSV. Hier ist sie im Duell gegen die spätere BSV-Spielerin Jara Ivanciková (Nr. 11) im DHB-Pokal-Spiel gegen Bundesligist Jarplund-Weding am 26. März 1988.

Seit fast 100 Jahren wird im BSV Frauen-Handball gespielt. Laut Zeitungsarchiv fand das erste Handball-Spiel einer Bux­tehuder Frauen-Mannschaft im März 1923 statt – der damalige MTV gewann gegen Stade 1:0! Die Geburts­stun­de der heutigen Bundesliga-Mann­schaft liegt irgendwo im Sommer 1976 im Buxtehuder Jahnstadion.

 

Juli 1976:  Hans Dornbusch – damals 38 Jahre alt und eigentlich Trainer der Männer-Mannschaft ­– schart auch eine Gruppe junger talentierter Spielerinnen um sich für eine 3. BSV-Mannschaft, die später mal die schon stark überalterte 1. Frau­en-Mannschaft in der 3. Ham­burger Liga ablösen soll.

Es kommt anders. Den älteren Spie­lerinnen der 1. und 2. Mann­schaft ge­fällt die vereinsinterne „Kon­kur­renz“ nicht, sie verlassen den Verein. Das kann auch der neue Abtei­lungsleiter nicht verhindern. Der ist erst 19 Jahre jung und heißt – Peter Prior.

Hans Dornbusch und seine jungen Mäd­­­­chen – Buxtehuder Talente sowie Spie­le­rinnen seiner ehemaligen Beck­dorfer A-Jugend – steigen also schon vorm Saisonstart zweimal auf: Statt  in der 5. Hamburger Liga gehen sie nun als „BSV 1“ in der 3. Liga an den Start. (Für Statistiker: Bis zur Bundesliga sind es jetzt „nur“ noch 5 Klassen!)

November 1976: Die junge Buxtehu­der Truppe verliert gleich zweimal – u.a. gegen TSV Buch­holz 2 mit 6:9! (Welch ein Endergebnis…). Nach dieser Niederlagen folgen nur noch Siege.

April 1977: Das erste Wunder – die Mannschaft steigt sofort auf, ist nun schon in der 2. Hamburger Liga.

April 1978: Das nächste Wunder – die Mannschaft steigt gleich noch mal auf in die Hamburger Oberliga.

 

Alle weiteren Wunder dauern etwas länger. Zunächst steigt die Mannschaft wieder ab, kehrt erst 1981 zurück in die höchste Hambur­ger Spielklasse.

1979 kommt es – heute undenkbar – in Bux­tehude zum „Stadtduell“ in der 2. Ham­burger Liga: BSV gegen TSV-Alt­kloster. Nach dem 18:9 im Heimspiel gelingt im Rückspiel (natürlich auch in der Halle Nord) nur ein mageres 11:10 gegen den TSV. Deren Trainer damals hieß: Wolfgang Watzulik! Sie lesen richtig: Der Mann ist inzwischen seit 30 Jahren BSV-Präsident!

Jahrelang spielt Dornbusch mit Män­nern und Frauen in der Oberliga Ham­burg. Dann gibt er die Männer ab, widmet sich ganz den Frauen. Mit Folgen.

 

Januar 1985: Wieder ein Wunder – der BSV gewinnt erstmals den Hambur­ger Pokal – Geg­ner im Finale ist kein geringerer als Bundes­ligist TH Elbeck, noch dazu in deren Heimhalle Ritter­straße.

31. März 1985: Vor der Rekord-Kulisse von 350 Zuschauern in der Halle Nord gewinnt die Dornbusch-Truppe gegen den TSV Ellerbek mit 23:14. Hamburgs Handball-Boß Hans Hardeland gratuliert zu Meis­terschaft und Aufstieg in die Regio­nalliga! Und noch immer sind etliche Spie­le­rinnen dabei, die neun Jahre zuvor im Jahn­stadion das Aben­teuer gestartet ha­ben!

5. April 1986: Letztes Punktspiel der ers­ten Regionalliga-Saison – der BSV putzt Meister und Aufsteiger TuS Alstertal (mit Trainer Otto Stern­berg aus Hollenstedt) mit 20:17. Der 8. Sieg in Folge, Vize-Meisterschaft mit einem Torver­hältnis von 468:401!

28. März 1987: Das nächste Highlight: DHB-Pokal gegen den Bun­desligisten 1. FC Nürn­berg, da­mals ein Top-Team mit sechs Na­tional­spielerinnen. 700 Fans in der Halle Nord sind aus dem Häuschen, ihr Team hält mit und muss sich erst in der Verlängerung geschlagen geben 15:17 (5:6, 13:13, 13:14).

 

In der 2. Regionalliga-Saison wird nicht nur in den Hallen gekämpft, sondern auch am grünen Tisch. Die SG Union-Bramfeld verliert zunächst 14 Punkte, weil sie die Spielerin Ilka Meyer ohne gültige Spielberechtigung eingesetzt hatte. Als Bramfeld später 10 Punkte zurück bekommt, sieht die Tabelle vor dem letzten Spieltag wie folgt aus:

  1. Buxtehuder SV 33:9
  2. Union Bramfeld Hamburg 31:11

Das hieß: Will Buxtehude aufsteigen, muss am letzten Spieltag ein  Sieg her!

 

11. April 1987: Über 70 Buxtehuder Fans begleiten ihr Team nach Lüne­burg. Es wird – vor 400 Zuschauern – das erwartet schwere Spiel gegen die Eintracht mit der ehemaligen 111-fa­chen Nationalspielerin Sigrid Berndt. Erst in der Schlußphase biegt der BSV auf die Siegerstraße ein, gewinnt 19:17. Wahnsinn! Der BSV spielt ab sofort in der 2. Bundesliga!

Sehr bemerkenswert: Hans Dornbusch erreicht diesen Erfolg ausschließlich mit Mädchen aus der Region.

 

Die Aufstiegsmannschaft von 1987:

Hinten von links: Catrin Köhnken, Heike Wilkens, Nicola Hein, Katrin Löhn, Anja Ivers, Sonja Doliwa, Trainer Hans Dornbusch. Vorne von links: Tanja Hausmann, Inger Pankalla, Sigrid Dunker und Andrea Elmers. Zur Mannschaft gehörten noch: Heike Christiansen, Jutte Dzikowski und Gabriele Holst.

 

12. September 1987: Das erste Spiel in der 2. Liga geht in der Halle Nord kläglich verloren – 13:16 ge­gen den alten Rivalen TH Eilbek. Aber auf der Tribüne sitzt die Hoffnungs­trä­gerin, das nächste leibhaftige Wunder: Svetlana Kitic, 27 Jahre, 205 Länder­spiele für Ju­goslawien, Olym­pia-Sie­gerin 1984, erste Welthandbal­lerin. Die Fachwelt mag es kaum glauben: Dieser Welt-Star spielt ab sofort für – Buxtehude.

Wie es dazu kam? Kitic wollte weg aus Belgrad. Hypo Wien lockte mit vielen Dollars, aber der jugoslawische Ver­band verweigerte die Freigabe („Wir ma­chen doch nicht unsere Gegner im Europa-Cup stark“). Mane Skercevic, da­­mals Trainer in Fredenbeck, der wie Kitic einst in Belgrad Handball gespielt hatte und mit Hans Dornbusch be­freun­det war, wusste es: Nur für einen Zweitligisten durfte Kitic gehen…

Ein Glücksfall für den BSV. Ab diesem Tag ist Handball Kult in Buxtehude. Denn Kitic küsst mit ihrer Handball-Kunst das verträumte Städt­chen wach!

23. Januar 1988: Über 800 Zu­schauer, darunter Hamburgs Handball-Denkmal „Atom-Otto“ Maych­rzak, kommen aus dem Staunen nicht heraus. Unter der überragenden Regie von Kitic (11 Tore) zerlegt der BSV den strahlenden Tabel­lenführer TuS Eintracht Minden mit 27:14!

20. Februar 1988: Nächster Festtag – die Fans bejubeln Kitic-Traum-Pässe über 25 Meter und 16 eigene Tore. Der Ta­bel­lenzweite Hannover wird aus der Halle Nord gefegt (31:13). Nach zwölf Spie­len hat Kitic 111 Tore, der BSV ist Dritter. Die Euphorie kennt keine Gren­zen, man spricht schon von der 1. Liga!

 

Am Saisonende ist Kitic schwanger, verschwindet unter mysteriösen Um­stän­den. Doch die Handball-Be­geis­te­rung bleibt in der Stadt. Der neue Star heißt: Jara Ivancikova! Mit ihr und Sa­bine Fric­ke (Braunschweig), Katja Dür­kop (Bad Schwartau), Ute Topp (Bre­mer­vörde) soll der Aufstieg gelingen.

 

10. September 1988: Schock! Eine Woche vor Sai­son-Start bricht sich BSV-Star Ivancikova beim Turnier in Holland das Bein, Tanja Hausmann bleibt nach einem Zusammenprall bewußtlos liegen. Was nun?

Dennoch startet der BSV mit 6:0 Punk­ten. Dann fällt auch National­spie­lerin Sa­­bine Fricke für Mo­na­te aus.

5. No­vem­ber 1988: Der BSV verliert daheim gegen Brühl 11:19 – Tabel­len­spitze futsch! Eine Woche später Nie­derlage in Braun­schweig (18:22) und auch noch Ute Topp verletzt!

27. November 1988: Pleite beim TuS Alsterstal (19:27). Der BSV (8:6 Punk­te) stürzt auf Platz sechs. Aufstieg ade?

Dann ist der November endlich vorbei.

3. Dezember 1988: BILD titelt: „Auch Schrau­ben hielten sie nicht auf der Bank“. Das Comeback von Jara, ein müh­samer Sieg gegen den Tabellen­letzten Greven (21:19). Die Wende?

11. Februar 1989:  Bozen­na Enkel­mann (32), polnische Natio­nal­torhü­te­rin, kassiert in ihrem ersten Spiel in 39 Minuten nur sechs Tore. 28:13-Sieg!

18. Februar 1989: Ohne Glück steigt niemand auf. Mit dem Schlußpfiff verwandelt Jara einen Freiwurf. 23:22 in Kiel, Dornbusch kreidebleich.

4. März 1989: Der BSV-Express rollt, 18:16 gegen List, BSV wieder alleiniger Tabellenführer.

1. April 1989: Sieg gegen Braun­schweig (22:20). Vor den letzten beiden Spielen fehlt nur noch ein Punkt zum Aufstieg in die Bundesliga…

8. April 1989: Der entscheidende Tag…