Verbandswechsel der Handballer des Buxtehuder SV?

Kehren die Handballer des Buxtehuder SV nach rund 70 Jahren dem Hamburger Handball-Verband den Rücken und spielen künftig im Handball-Verband Niedersachsen (HVN)? Darüber diskutieren die Mitglieder am Mittwoch in einer Online-Konferenz. Die Online-Abstimmung läuft noch bis zum 10. April. Der Trend bei den bisher abgegebenen Stimmzetteln geht eindeutig in Richtung HVN.

 

„Wir haben uns im Hamburger Handball-Verband über Jahrzehnte gut aufgehoben gefühlt,“ sagt Abteilungsleiter Peter Prior, „aber jetzt gibt es gewichtige Gründe für den Wechsel.“ Das stärkste Argument: Der BSV braucht unbedingt eine „Partnerschule des Leistungssports“ am Gymnasium Süd, damit Top-Talente endlich auch am Vormittag trainieren können.

 

Zum Hintergrund: Der Buxtehuder SV gehört im weiblichen Nachwuchs-Bereich seit Jahren zu den besten Vereinen in Deutschland. Seit 2014 holte der BSV mit der A- bzw. B-Jugend vier deutsche Meisterschaften, allein seit 2016 fanden über 20 Talente den Weg in die 1. bzw. 2. Bundesliga und diverse Spielerinnen Aufnahme in die Nationalkader des Deutschen Handball-Bundes.

 

Peter Prior: „Aber für eine weitere Entwicklung fehlt uns eine entscheidende Komponente. Unsere Top-Talente müssten mindestens zweimal die Woche vormittags trainieren können. Dafür brauchen wir die ‘Partnerschule des Leistungssports’ am Gymnasium Süd.“ Von dieser Einrichtung könnten auch männliche Talente profitieren – und Kader-Athleten anderer Sportarten ebenfalls.

 

Aber: Das Projekt kommt nicht voran, die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt: Eine „Partnerschule des Leistungssports“ wird Buxtehude nicht bekommen, solange der BSV in Hamburg Handball spielt. Kurz zusammengefasst: Niedersachsen will mit seinen Steuergeldern keine „Hamburger“ Sportler fördern.

 

Prior: „Nicht nur an dieser Stelle werden wir Opfer der föderalen Strukturen in Deutschland. Uns bleiben auch Fördertöpfe versperrt, weil wir ein niedersächsischer Verein sind, aber in Hamburg Sport treiben. Da bekommen wir weder hüben noch drüben etwas ab.“

Das zeigte sich einmal mehr im Februar, als der BSV ein Bundesliga-Heimspiel in der Sporthalle Hamburg austragen wollte, um eine TV-Übertragung auf Eurosport zu ermöglichen. Die Sporthalle Hamburg blieb dem BSV als „auswärtiger Verein“ versperrt, stattdessen musste man 130 Kilometer nach Oldenburg ausweichen.

 

Der Verein sieht nur eine mögliche Lösung. Prior: „In aller Bescheidenheit dürfen wir feststellen, dass wir am Föderalismus und seinen Auswirkungen in Deutschland wenig zu ändern vermögen. Aber wir können künftig in Niedersachsen Handball spielen.“

 

Diese Möglichkeit sowie die entsprechenden Vor- und Nachteile haben die BSV-Handballer in den letzten Wochen ausführlich analysiert und diskutiert. Ergebnis: Mit dem Wechsel nach Niedersachsen sind keine gravierenden Nachteile verbunden. Allenfalls werden die Fahrtwege zu den Auswärtsspielen insgesamt wohl etwas länger. Das spielerische Niveau im Jugendbereich dürfte ähnlich sein, in der C-Jugend gibt es sogar eine landesweite Oberliga, die im Bereich Hamburg/Schleswig-Holstein seit Jahren schmerzlich vermisst wird.

 

Auf der anderen Seite gibt es zusätzliche Vorteile:

­– Die Spielpläne sind optimal auf die niedersächsischen Ferien abgestimmt.

– Der Verein hätte im HVN deutliche bessere Chancen auf Fördergelder.

– Auswahl-Maßnahmen im HVN gibt es nur an Wochenenden, das erleichtert die Trainingsplanung.

– In Niedersachsen dürfen mehr Teams mit Backe spielen als in Hamburg.

 

Und so zeichnet sich innerhalb der Handball-Abteilung bereits eine klare Mehrheit für den Wechsel zum HVN ab. Bis zum 10. April 2021 können die Mitglieder noch online abstimmen, auf eine Abteilungsversammlung mit Präsenz musste man coronabedingt leider verzichten. Die Mitglieder müssen zusätzlich noch entscheiden, in welcher niedersächsischen Region sie künftig spielen wollen: Handball-Region Lüneburger Heide oder Handball-Region Elbe-Weser.

 

Sehr wahrscheinlich wird der Wechsel bereits zur neuen Saison vollzogen. Peter Prior: „Die Trennung von Hamburg erfolgt allerdings keinesfalls im Streit, wir wollen auch mit dem Hamburger Verband (HHV) künftig weiter zusammenarbeiten – im Interesse des Handballs und seiner Talente.“

 

Der DHB plant langfristig ohnehin eine gemeinsame Leistungssport-Region mit Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen. Spätestens da würden sich BSV und HVV wieder treffen – allen föderalen Strukturen zum Trotz. Prior: „So wie wir in Vergangenheit mit niedersächsischen Vereinen kooperiert haben – so wollen und werden wir auch in Zukunft die Talentförderung in Hamburg unterstützen.“