Niederlande verzichtet auf EM-Ausrichtung, 10 Interessenten gefunden

In der vergangenen Woche hat sich die deutsche Nationalmannschaft der Frauen für die EM qualifiziert. Wo diese allerdings stattfindet, ist seit dem heutigen Montag ungewiss: Der designierte Ausrichter Niederlande hat offiziell auf die Ausrichtung verzichtet. Die für Mittwoch in Rotterdam geplante Auslosung, in der unter anderem Kreisläuferin Diane Lamein als Glücksfee agieren sollte, entfällt bis auf weiteres.

“Die Europäische Handballföderation muss den Rückzug des Niederländischen Handballverbandes von der Organisation der Endrunde der Frauen-Europameisterschaft 2012, die vom 4. bis zum 16. Dezember in den Niederlanden stattfinden sollte, verkünden”, heißt es in der Mitteilung auf der EHF-Website. “Das war am Sonntagabend um 22.00 Uhr doch ein überraschender Anruf”, sagte EHF-Generalsekretär Michael Wiederer am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Erst am Sonntagabend war die Qualifikationsrunde für die EM zu Ende gegangen.

Wie der Kontinentalverband nun mitteilt, wird – nach dem am heutigen Montag die schriftliche Bestätigung des Verzichts durch den niederländischen Verband einging – das Austragungsrecht neu ausgeschrieben. “Die EHF ist derzeit in aussichtsreichen Verhandlungen mit einer Vielzahl ihrer Mitgliederverbände, um eine ansprechende Lösung zu erreichen”, so die Stellungnahme der EHF. Um welche Länder es dabei geht, ist derzeit noch unbekannt. “Die teilnehmenden Nationen, Partner und die Medien werden informiert, wenn ein alternativer Ausrichter gefunden und bestätigt wurde.”

“Die EHF kann zehn Nationen als Interessent für die Ausrichtung der EM bestätigen”, teilte der Verband mit. Man sei vor allem auf Verbände zugegangen, die bereits Erfahrung mit der Ausrichtung von Großveranstaltungen gehabt haben. Bei den zehn Verbänden handelt es sich nach Angaben der EHF um Kroatien, Dänemark, Mazedonien, Island, Norwegen, Polen, Russland,, Serbien, die Slowakei und Schweden.

Innerhalb der nächsten zwei Wochen soll der neue EM-Ausrichter bekannt sein, die Endrundenauslosung bereits beim EHF-Kongress in Monaco erfolgen. “Wir sprechen mit den erfahrenen Organisatoren der vergangenen Jahre. Eine Option ist eine nordische Komponente. Schweden war 2006 EM-Ausrichter, Dänemark und Norwegen traten 2010 gemeinsam als Gastgeber auf. Ob auch Deutschland ein möglicher Ausrichter sein könnte, ließ Wiederer offen: “Deutschland hat zuletzt keine Veranstaltung organisiert. Aber wenn der DHB sich bei uns meldet, werden wir selbstverständlich mit ihm sprechen.”

EHF-Generalsekretär Michael Wiederer sagte: “Das ist eine einzigartige Situation für die EHF. Während wir natürlich enorm enttäuscht sind das dieses Event nicht mehr von den Niederlanden ausgerichtet werden wird, zeigt die Reaktion einer solch großen Zahl an möglichen Gastgebern, wie wichtig diese Veranstaltung für unsere Mitgliedsverbände ist.”

Man beginne nun mit der Auswahl eines neuen Gastgeberlandes, so Wiederer weiter. “Wir hoffen innerhalb der nächsten zwei Wochen hoffen wir, bekanntgeben zu könne, wo die Veranstaltung stattfinden wird”, sagte Wiederer. Am Termin, Dezember 2012, werde festgehalten. Neben den bereits qualifizierten Nationen – Titelverteidiger Norwegen, Deutschland, Ungarn, Rumänien, Serbien, Montenegro, Russland, Frankreich, Mazedonien, Schweden, die Tschechische Republik, Kroatien, Döänemark, Ukraine und Spanien – wird der offene sechzehnte Platz, der für das Gastgeberland reserviert ist, erst mit der Bekanntgabe des neuen Veranstalters vergeben.

Grund für den Rückzug soll ein entscheidender niederländischer Geldgeber sein. Dieser habe in der EM-Endrunde ein zu großes finanzielles Risiko gesehen und seine finanziellen Zusagen zurückgezogen, so die dpa. Noch im März hatten die Niederländer der EHF zugesichert, alle Verpflichtungen zu erfüllen. Als die möglichen Finanzprobleme bekannt wurden, gab es bereits Gespräche zwischen dem Dach- und dem Landesverband. Um Kosten zu sparen, erlaubte die EHF den Niederländern, die EM in drei statt in fünf Hallen zu spielen.

Die Niederlande verzichten nicht zum ersten Mal auf ein hochrangiges Frauenhandball-Turnier. Bereits 2003 gab der Verband die Weltmeisterschaft kurzfristig zurück. Damals sprang Kroatien als Gastgeber ein. Ob es nun Sanktionen gegen die Niederlande geben wird, konnte Wiederer nicht sagen. “Es ist für uns ein Präzedenzfall. Jetzt müssen erst einmal viele Fragen beantwortet werden”, sagte der EHF-Generalsekretär.

Quelle: www.handball-world.de vom 04. und 05. Juni 2012