Nach Coup gegen Norwegen gibt es für Deutschlands Handballerinnen Dämpfer gegen Rumänien

Zum EM-Auftakt hatten die deutschen Handballerinnen ein Ausrufezeichen gesetzt und mit dem Erfolg gegen Europameister Norwegen ein Ausrufezeichen gesetzt. Bundestrainer Henk Groener hatte danach allerdings gewarnt, dass dies nur einer von zwei benötigten Siegen für den Einzug in die Hauptrunde sei. Der erste Matchball wurde heute trotz acht Treffern von Julia Behnke vergeben, gegen Rumänien setzte es ein 24:29 (11:14). Vor der abschließenden Vorrundenpartie am Mittwoch gegen Tschechien hat die deutsche Nationalmannschaft den Einzug in die nächste Runde aber weiter in der eigenen Hand.

 

Henk Groener vertraute gegen Rumänien im Wesentlichen auf die gleich Startaufstellung wie gegen Norwegen: Dinah Eckerle, Marlene Zapf, Alicia Stolle, Xenia Smits, Emily Bölk und Julia Behnke begannen erneut; nur auf der linken Außenbahn erhielt Ina Großmann den Vorzug vor Franziska Müller. Anders als gegen den amtierenden Europameister misslang der Start jedoch. Zapf scheiterte von der Siebenmeterlinie an Denisa-Stefania Dedu und Rumänien setzte sich auf 3:0 (4.) ab.

Das 3:1 durch Großmann war das erste Erfolgserlebnis, es sorgte jedoch nur kurz für Freude. Nach einem Fehlpass ins Seitenaus verlor das DHB-Team den Ball schnell und Cristina Neague erhöhte kurz darauf auf 5:1 (5.) aus rumänischer Sicht. Als Henk Groener nach knapp neun Spielminuten die erste Auszeit zog, lag Rumänien mit 6:3 in Front.

Es hakte bei der deutschen Auswahl weiterhin an einzelnen Stellschrauben, sowohl offensiv als auch defensiv: Vorne fehlte die Effektivität – Bölk vergab den zweiten Siebenmeter der Partie gegen Dedu (10.) – und die Defensive bekam Neagu nicht in den Griff. Was funktionierte, war das Tempospiel – und gerade die schnelle Mitte. Die Rumäninnen sortierten sich nach einem eigenen Treffer nicht schnell genug und die freie Behnke erzielte das 4:7 (11.).

Das Team von Groener ließ jedoch – anders als die Tschechinnen vor zwei Tagen – den Kontakt noch nicht abreißen, da nun auch Dinah Eckerle einige Paraden für sich verzeichnen konnte. Manko blieb jedoch die Offensive. Nach einer Doppelparade von Dedu gegen Bölk und Behnke sowie zwei Ballverlusten innerhalb einer Minute erhöhte Eliza Buceschi auf 12:7 (21.) – es war der erste Fünf-Tore-Rückstand der Partie.

Diesen fing die DHB-Auswahl jedoch sofort wieder ein – nicht zuletzt dank einer starken Behnke. Die Kapitänin schuf sich am Kreis immer wieder Raum und verkürzte den Rückstand durch einen Doppelpack auf zwei Tore (10:12, 24.). Groener wechselte nun nach und nach durch: Maren Weigel war bereits vor einigen Minuten gekommen, nun brachte der Bundestrainer auch Amelie Berger und Meike Schmelzer. Zudem kam Angie Geschke, mit bereits zwei verwandelten Siebenmetern auf dem Konto, nun auch im Rückraum.

 

In der 27. Minute verschaffte Neagu sich dann ihren Platz in den Geschichtsbüchern: Das 13:10 war ihr fünfter Treffer in dieser Partie und damit zugleich ihr 206. Tor bei einer Europameisterschaft – Rekord! Sie überholte damit die bisherige Toptorschützin, die Ungarin Agnes Farkas (205) und wurde dafür vom rumänischen Fanblock mit Sprechchören gefeiert. Nachdem Smits den letzten Wurf kurz vor der Sirene am Tor vorbeigesetzt hatte, ging es mit 14:11 aus rumänischer Sicht in die Kabine.

Nach Wiederanpfiff lief die deutsche Auswahl, bei der inzwischen Isabell Roch im Tor stand, dem Rückstand hinterher. Die Chancenverwertung gegen die starke Dedu war weiterhin das große Problem, was die Rumäninnen ausnutzten: Über 16:12 (34.) und 19:15 (40.) setzten sie sich bis zur 45. Minute auf 22:15 ab: Buceschi verwandelte den Siebenmeter sicher.

Die eingewechselte Luisa Schulze hatte für das zum Siebenmeter führende Foul eine Zeitstrafe erhalten, sodass Groener in der Offensive den Torwart herausnahm und mit einer zusätzlichen Feldspielerin agierte. Das kostete das DHB-Team ein weiteres Gegentor: Dedu krönte ihre Leistung mit dem Treffer zum 23:15 (46.) ins verwaiste Tor.

Nach dem 24:16 (48.) durch Buceschi zog Groener die Auszeit und schwor seine Mannschaft auf die letzten zehn Minuten ein. Mit Erfolg: Seine Mannschaft ließ den Kopf nicht hängen und kämpfte. Mit der siebten Feldspielerin und einer auf Neagu ausgerichteten Deckung kam das DHB-Team noch einmal über 25:19 (52.) auf 27:22 (57.) heran. Nach dem Anschluss zum 27:23 (58.) durch Schmelzer nahm Rumänien noch einmal die Auszeit. Mehr als Ergebniskorrektur war jedoch nicht möglich – am Ende siegte Rumänien und zieht in die Hauptrunde ein, während Deutschland am Mittwoch ein Endspiel gegen Tschechien hat.

 

Quelle: www.handball-world.com

 

Foto: Marco Wolf / DHB