Lukas Grote: BSV-Talent wechselt zu den „Zebras“

BUXTEHUDE. Lukas Grote (15) hat den Weg zum Handball erst vor vier Jahren gefunden. Er war nicht das größte Talent, überzeugte seine Trainer beim Buxtehuder SV aber mit seiner Einstellung und wurde ein besserer Torhüter. Nun geht’s zum großen THW Kiel.

 

Lukas Grote kann sich gut daran erinnern, wie es anfing. „Komm’ mal mit zum Training“, sagte sein Kumpel David Lüer. „Warum nicht, kann ja nicht schaden“, entgegnete Grote. Er kam mit. Während die Mitspieler sich mit Taktik beschäftigten, lernte er, mit dem Ball zu prellen, und probierte sich im Tor. Letztlich fand er Gefallen daran, die Verantwortung als letzte Bastion zwischen den Pfosten zu übernehmen. „Ich hatte mehr Spaß am Bälle-Halten als am Torewerfen“, sagt Grote. Das Problem: Er hatte große Angst vor dem Ball. Grote aber führte sich immer wieder vor Augen, dass er diese ablegen müsse. Sonst habe es keinen Sinn. So fing alles an vor vier Jahren.

 

Lukas Grote hat seitdem eine rasante Entwicklung durchlaufen. Diese bestärkte ihn darin, bei den Nachwuchsabteilungen und Internaten großer Vereine anzuklopfen. So wie es einige seiner Mitspieler vormachten: Lasse Kock und die Leun-Brüder Finn und Jacob, die Plätze im Handball-Internat in Leipzig sicher haben, und Tjark Jonas, der nach Hildesheim geht. Lukas Grote wird der fünfte Spieler aus der Buxtehuder C-Jugend sein, er schließt sich dem wohl namhaftesten Handball-Club in Deutschland an, dem THW Kiel. Ausgerechnet dort steht mit Niklas Landin auch eines seiner Vorbilder im Tor.

“Der Druck steigt automatisch”

 

Vor etwa einem Monat spielte Grote bei den „Zebras“ vor. „Bei so einem großen Namen steigt automatisch der Druck“, sagt er – und gab alles. Am ersten Tag stand ein Training mit der B-Jugend an. „Das war Handball auf hohem Niveau“, sagt er. Die Spieler narrten ihn, den Torhüter, mit Trickwürfen. Am zweiten Tag musste Grote sich alleine beweisen, und bestand. „Ich habe gezeigt, dass ich Talent habe und bekam gleich eine feste Zusage“, sagt er. Grote war erleichtert, dass der vierte und letzte Anlauf von Erfolg gekrönt war. Zuvor spielte er schon in Flensburg, Berlin und Melsungen vor und kassierte Absagen.

 

Und dennoch war der Weg nach Kiel ein lehrreicher. Überall nahm Grote etwas für sein Torwartspiel mit: In Flensburg lernte er, mehr Raum im Tor einzunehmen, in Berlin, sein Timing zu verbessern, und in Melsungen, seine Arbeit mit den Händen. Aus Kiel nahm er mit, bei körpernahen Würfen seine Arme und Beine schneller zusammenzuziehen. Für alle vier Stationen galt: „Das war Training auf einem anderen Planeten.“ Grote kehrte mit einem ganz anderen Gefühl zurück zum BSV.

 

Im Sommer verlässt der 15-Jährige dann das heimische Nest in Buxtehude, er wird seine Mutter Rosa, seinen Vater und FDP-Ratsherrn André, seinen kleinen Bruder Diego, seine Freunde und auch seine Freundin seltener sehen. „Ich spüre schon etwas die Anspannung“, sagt Lukas Grote. „Wenige Tage vorher wird es bestimmt emotionaler.“ In Kiel wird er entweder bei einer Gastfamilie oder in einer Wohngemeinschaft unterkommen. Ein reines Internat, in dem die Talente wohnen und trainieren, gibt es beim THW nicht.

Die Einstellung macht den Unterschied

 

Wie hat Grote es in so kurzer Zeit so weit gebracht? Auf diese Frage hat er eine klare Antwort, wegen seiner Jugendtrainer Karsten von Eitzen und Ryszard Jedlinski. Grote sei zwar nicht als überragendes Talent aufgefallen, sagt von Eitzen. „Was ich wirklich toll fand, war die Einstellung.“ Grote, heißt es, habe immer wissen wollen, was er verbessern könne, und er trainierte eigenständig im athletischen Bereich. „Er war in der Lage, sich zu entwickeln“, sagt von Eitzen.

 

Daher haben die beiden Trainer Grote gefördert. Dazu passt eine Anekdote, an die er sich gerne erinnert: Einmal, in der D-Jugend, schaute Grote bei einem Spiel der „besseren Mannschaft“ in der Halle Nord zu, als Jedlinski in der Halbzeitpause zu ihm kam und fragte, ob er mitspielen wolle – und das, obwohl „ich einer der schlechteren Spieler war“, sagt Grote. Jedlinski trug ihn nachträglich in den Spielbericht ein.

 

Karsten von Eitzen zog ihn bereits als C-Jugendlichen in die B-Jugend hoch. Dort durfte Grote als Nummer zwei aushelfen, bekam regelmäßig Spielanteile und wurde Stück für Stück ein besserer Torhüter. „Der Schlüssel war, dass er immer kritisch mit sich selbst umgegangen ist“, sagt von Eitzen. Er hofft, dass der nächste Schritt der Richtige sein wird.

 

Quelle: TAGEBLATT (Tim Scholz) vom 06.06.2018