BSV feiert Kantersieg über Aufsteiger: Jessica Oldenburg ist wieder die Alte

BUXTEHUDE. Beim 35:18-Kantersieg des Handball-Bundesligisten Buxtehuder SV meldete sich eine Spielerin eindrucksvoll zurück: Jessica Oldenburg. Die Rückraumspielerin avancierte mit neun Toren im Heimspiel gegen den Aufsteiger aus Neckarsulm zur besten Spielerin.

 

Als Jessica Oldenburg den Ball an den linken Pfosten wirft, scheint ihr Lauf gerissen zu sein. Zwei Tore am Stück hatte sie bereits erzielt, und auch das 21:11 gehört ihr. Tatsächlich: Der Ball prallt vom Pfosten an den hinteren Oberarm der gegnerischen Torfrau und von dort hinter die Linie. Oldenburg ist somit für die letzten drei Buxtehuder Tore verantwortlich, und sie wird auch die nächsten drei Treffer für ihre Mannschaft erzielen.

 

Jessica Oldenburg war die Spielerin des Spiels. Nicht nur wegen ihres persönlichen Sechs-Tore-Laufs, ihrer insgesamt neun Tore oder ihre soliden Leistung in der Deckung. Die Rückraumspielerin lieferte im Heimspiel gegen den Aufsteiger aus Neckarsulm ihren bislang besten Auftritt in dieser Saison ab. Manager Peter Prior überreichte ihr dafür nach der Partie den obligatorischen Obstkorb mit den Worten: „Sie ist fast schon wieder die Alte.“

 

Die alte Jessica Oldenburg glänzt durch Treffsicherheit, Durchsetzungsvermögen und Stabilität. Doch in dieser Spielzeit suchten die Zuschauer diese Handballerin zunächst vergeblich. Eine Emily Bölk oder eine Lynn Knippenborg spielten sich zuletzt in den Mittelpunkt – und Oldenburg kam nicht so richtig in Tritt. Sie leistete sich im Abschluss ungewohnt viele Fehler, sie bekam nicht den erhofften Zugriff in der Abwehr. Gegen Neckarsulm platzte der Knoten. „Wenn es ein Rezept dafür gibt, …”

 

Jessica Oldenburg war monatelang wegen eines Knorpelschadens im rechten Knie ausgefallen. Erst in der Sommerpause stieg sie ins Training mit der Mannschaft ein. „Es war für mich besonders schwer, nach der Verletzung reinzufinden“, sagt Oldenburg. Es fehlte die Spielpraxis. Erschwerend kam hinzu, dass die Mannschaft personell stark verändert wurde. Oldenburg, die vor sieben Jahren zum BSV gewechselt war, sagt, sie habe in den ersten Spielen dieser Saison Druck verspürt.

 

Warum sich die 25-Jährige ausgerechnet am Sonnabend freigespielt hatte, konnte sie wenige Minuten nach der Partie noch nicht erklären. „Wenn es ein Rezept dafür gibt, wäre der Knoten schon eher geplatzt“, meint Oldenburg. Das Spiel hat Spuren bei ihr hinterlassen: Sie trug fiese Kratzspuren am Hals davon. Oldenburg weiß nicht, wann und wie das passiert ist. „Wahrscheinlich im Angriff.“

 

Bevor Oldenburg ins Spiel kam, taten sich ihre Mitspielerinnen zunächst schwer gegen den Aufsteiger. Der BSV war in der Deckung zu passiv, im Abschluss zu ungenau. Trainer Dirk Leun wechselte dreifach, brachte unter anderem Oldenburg ins Spiel. Die Wende kam nach gut 20 Minuten. Der BSV war gnadenlos effektiv und setzte sich in nur fünf Minuten von 10:10 auf 16:10 ab. Selbst Torfrau Julia Gronemann traf ins leere Gästetor. Die Buxtehuder Defensive festigte sich und ließ bis zum Ende nur noch acht Gegentreffer zu.

 

Nach der Partie gab es für Oldenburg eine Umarmung von Betreuer Michael Jungblut und einen Klapps auf den Hintern. Trainer Dirk Leun freut’s. Er sagt, dass die Mannschaft den Sieg geschlossen herausgespielt habe, hebt aber auch Oldenburgs „tolles Spiel“ hervor. Es scheint sich angedeutet zu haben. „Jessica hat die ganze Woche einen guten Eindruck gemacht“, sagt Leun. Er hat viel mit ihr gesprochen und mit ihr an Würfen, Sprüngen und Timing gearbeitet. „Heute haben wir das Produkt gesehen“, sagt der BSV-Trainer.

 

Leun setzt auf die positive Wirkung des starken Auftritts: „So ein Spiel ist wichtig für den Kopf.“ Er gebe der Rückraumspielerin wieder mehr Selbstvertrauen und mehr Sicherheit. Denn: „Wir brauchen Jessica für die schweren Spiele.“

 

Die Statistik: Gronemann trifft

 

BSV: Lenz, Gronemann 1; Meyer, Fischer 5/1, Gubernatis 5, Knippenborg 2, Schirmer 2, Oldenburg 9, Bölk 5, Goos 2, Kaiser 2, Hayn 2, Prior.

NSU: Milenkovic, Rüttinger; Kalmbach, Hoffmann 4, Breitinger 5/2, Gerber, Fischer 1, Tissekker, Daniels 4, Ahlin 2/1, Ineichen 2, Vlahovic, Galinska, Vojtiskova.

 

Spielverlauf: 1:3 (4.), 4:5 (9.), 8:8 (15.), 13:10 (24.), 20:11 (Halbzeit), 23:13 (38.), 25:14 (42.), 28:16 (48.), 32:18 (55.), 35:18 (Endstand).

Siebenmeter: BSV 1/1 (Fischer) – NSU 4/3 (Breitinger 2/2, Ahlin 2/1).

Zeitstrafen: BSV 2 (Knippenborg, Schirmer) – NSU 5 (Fischer 2, Daniels 2, Vojtiskova 1).

 

Schiedsrichter: Ramesh und Suresh Thiyagarajah

Zuschauer: 1250

 

Lenz feiert erfolgreiches Comeback

 

Beim souveränen 35:18-Sieg des Buxtehuder SV feierte Torhüterin und Kapitänin Antje Lenz ihr Comeback nach mehrmonatiger Verletzungspause. Lenz wurde in der 46. Minute für Julia Gronemann eingewechselt und spielte anschließend bis zum Ende der Partie durch. Die wiedergenesene Torhüterin zeigte eine ansprechende Leistung, indem sie einen Siebenmeter und mehrere gute Würfe der Neckarsulmerinnen parierte. Antje Lenz sagte, sie sei mit ihrer Leistung zufrieden gewesen und freue sich, wieder auf dem Platz zu stehen. Nach der Partie sprach sie von einer guten Mannschaftsleistung und lobte auch ihre Torwartkollegin Julia Gronemann, die ebenfalls mit vielen Paraden zum Sieg beitrug. Bereits vor ihrer Einwechslung feuerte die Kapitänin ihre Mannschaft auf der Bank lautstark an. Der späte Zeitpunkt der Einwechslung hängt damit zusammen, dass es der erste Pflichtspiel-Einsatz für Lenz in dieser Saison war, nachdem sie zu Saisonbeginn einen Bandscheibenvorfall erlitt. „Kurz vor der Einwechslung ging die Aufregung schon hoch“, gesteht Lenz. Der kurze Einsatz habe ihr Selbstvertrauen nach der schweren Verletzung geben. Im nächsten Spiel hofft Lenz wieder auf Spielpraxis.
BSV-Splitter

Nationalteam: Bundestrainer Michael Biegler hat die BSV-Handballerinnen Lone Fischer, Emily Bölk und Maike Schirmer in den erweiterten, 28-köpfigen Kader für die EM in Schweden berufen. Das endgültige Aufgebot mit 16 Spielerinnen muss spätestens am 3. Dezember festgelegt werden. Auch die nach Frankreich abgewanderte Ex-Buxtehuderin Isabell Klein gehört zum erweiterten Kader.

Juniorenteam: Heike Axmann hat das Juniorenteam, die zweite Frauen-Mannschaft des Buxtehuder SV in der 3. Liga, übernommen und gleich einen 23:17-Erfolg gegen Aufsteiger HSG Jörl-DE Viöl gefeiert. Der Verein habe sich unter anderem wegen des krankheitsbedingten Ausfalls von Jugendtrainer Ryszard Jedlinski neu aufstellen müssen, teilte Manager Peter Prior mit. Jugendkoordinator Lars Dammann wird seiner Tätigkeit im Jugendbereich noch stärker nachkommen.

 

Quelle: TAGEBLATT (Tim Scholz) vom 24.10.2016, Foto: Jan-Iso Jürgens