Isabell Klein lacht wieder – Spitzenspiel gegen Leipzig

Handball-Bundesliga: Am Sonnabend empfängt der Buxtehuder SV den HC Leipzig zum Spitzenspiel

Wolfgang Stephan Buxtehude. HC Leipzig? Da war doch was? War das nicht im Halbfinale der Play-offs die Mannschaft, die als großer Favorit mit einem Vorsprung von acht Toren nach Buxtehude reiste? Aber dann heulend aus der Halle ging, weil der BSV mit 27:19 gewonnen hatte. Der Buxtehuder SV gegen den HC Leipzig, das Spitzenspiel der Bundesliga, Vorhang auf für ein neues Spektakel, das am morgigen Sonnabend um 16 Uhr in Buxtehude beginnt.

Der Tabellenerste die Liga (12:0 Punkte) gegen den Tabellenzweiten (11:1 Punkte) – alleine die Ausgangslage rechtfertigt das Prädikat Spitzenspiel. Doch das Aufeinandertreffen dieser beiden Vereine wäre auch bei einer anderen Tabellen-Konstellation ein Hit, denn normal verliefen die Spiele gegen Leipzig selten. Erinnern wir uns an den 5. Mai, als der HC Leipzig im Rückspiel der Play-offs nur noch das Final-Ticket in Buxtehude abholen wollte. Das Hinspiel hatten die Sachsen mit 31:23 gewonnen – normalerweise ein komfortabler Vorsprung bei zwei Mannschaften auf diesem Niveau. Doch am Ende stand es 27:19 für den BSV, der dann wegen der mehr erzielten Auswärtstreffer ins Finale kam.

Unvergessen auch das historische Spiel am 12. November 2008, als BSV-Trainer Dirk Leun mit Halswirbelproblemen im Elbe Klinikum lag und sein Team Leipzig gehörig durcheinander wirbelte und am Ende mit 30:20 gewann.

“Wir können ganz befreit spielen”, sagt Dirk Leun jetzt. Mit 12:0 Punkten ist der BSV Tabellenführer und hat angesichts der zahlreichen Verletzungen das Soll weit überschritten: “Ich kann vor den Mädels nur den Hut ziehen”, sagt Dirk Leun, obwohl er derlei Kopfbedeckungen nicht im Gepäck hat. “Warum sollen wir Angst vor Leipzig haben, wir können jeden Gegner schlagen”, sagt der Trainer, der seit Mittwochabend eine Sorge weniger hat. Das Comeback seiner Spielführerin verlief mehr als zufriedenstellend. Isabell Klein hat im ersten Spiel nach dem Kreuzbandriss 45 Minuten auf der Platte gestanden und beim Trainer viel Respekt hinterlassen: “Ich bin mehr als zufrieden”, sagt der Übungsleiter, “das war schon sehr gut”.

Die so hoch Gelobte zeigte sich gestern, am Donnerstag, mit ihrer Wiederkehr ebenfalls sehr zufrieden. Das Knie habe überhaupt nicht geschmerzt, insofern sei der erste Auftritt sehr gut gewesen, auch wenn sie selbst noch Defizite in der Schnelligkeit und Athletik festgestellt habe. Dafür habe das handballerische Repertoire gestimmt. Ob das Leben der Isabell Klein seit Mittwoch wieder mehr Spaß mache? “Ich hatte auch vorher viel Spaß”, sagt die Mannschaftsführerin.

Da auch Stefanie Melbeck die gleichen Spielanteile hatte, stehen die vermeintlichen Stützen in der BSV-Statik. Aber: Leun lobt vor allem die zwei Akteurinnen, die in Metzingen groß aufgetrumpft hatten: Jessica Oldenburg und Jana Stapelfeldt. Leun: “Das spricht für diese Mannschaft, dass Spielerinnen in die Rollen reinwachsen, wenn sie gebraucht werden.” Beide hätten Selbstvertrauen gezeigt und seien bereit, die Lücken zu schließen. Da auch Marcella Deen als einziger Neuling mit ihren sieben Toren in Metzingen mittlerweile im Team angekommen ist, sieht der Trainer trotz der Ausfälle von Randy Bülau, Josephine Techert, Friedericke Lütz und Katja Langkeit keinen Grund, pessimistisch ins Spiel zu gehen. Da gab es schließlich auch noch die Begegnung im vergangenen Jahr, als der BSV den HC Leipzig in der ersten Halbzeit mit 18:8 förmlich an die Wand gespielt hatte – nicht mit dabei damals: Randy Bülau und Josephine Techert.

Freilich: der Gegner strotzt vor Selbstbewusstsein: Leipzig hatte am Mittwochabend den Thüringer HC vor 3200 Zuschauern mit 23:22 besiegt, dabei gut gespielt, vor allem in der Deckung. Leipzigs Trainer Stefan Madsen: “Es ging nicht nur um die zwei Punkte, es ging vor allem um das emotionale Erlebnis, das war entscheidend.” Buxtehude werde ein hartes Stück Arbeit und der HCL wolle sich gerne für das Halbfinale der letzten Saison revanchieren.” Madsen: “Diese Aggressivität und der Einsatz vom Mittwoch muss unser Maßstab sein.” Madsen zum Gegner: “Mit der Rückkehr von Nationalmannschaftskapitänin Isabel Klein hat Buxtehude mit Sicherheit einen Schub bekommen, sie haben ein paar Verletzte, aber wir wissen das aus eigenem Erleben, da rückt man eng zusammen und egal wer fehlt, sie haben eine tolle Mannschaft auf dem Parkett.”

Wer das Spiel erleben will, hat noch gute Chancen, auch wenn es nur noch wenige Sitzplatzkarten gibt. Eine große Kulisse sei garantiert, vermeldet der BSV.

Am Rande des Spiels werden auch Karten für die Champions League-Spiele verkauft. Schon am Montag beginnt die Königsklasse mit dem Auswärtsspiel in Randers. Das erste Heimspiel ist am nächsten Sonnabend, 20. Oktober, 15 Uhr, in der CU Arena in Neugraben gegen Oltchim Valcea, die mit einer Weltauswahl anreisen werden.

Unmittelbar nach Spielende steht das Ergebnis auf der TAGEBLATT-Homepage. Der erste Film ist bei TAGEBLATT TV ab 18.15 Uhr zu sehen, unter www.tageblatt.de

TAGEBLATT vom 12.10.2012