“Freude über Fortschritte” – Isabell Kleins Tagebuch, Teil 2

Isabell Klein, Spielführerin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft und des Buxtehuder SV, wird nach ihrer Kreuzband-Operation extra für das Portal „handball-queen.de“ in einer monatlichen Serie darüber berichten und Eindrücke gewähren, wie ihr Weg aus der Rehabilitation zurück aufs Spielfeld verläuft. In einer Kooperation werden diese Inhalte auch auf handball-world.com veröffentlicht. Im zweiten Teil kann “Isi” bereits über einige Fortschritte berichten.

Liebe Leser,

vielen, vielen Dank an alle, die die erste Folge meines Tagebuches gelesen haben. Ich habe ausschließlich positives Feedback bekommen und das hat mich darin bestätigt, dass dieses Tagebuch eine gute Idee war.

Ich habe in den letzten Wochen große Fortschritte gemacht. Am 9. Mai hatte ich den Arzttermin, bei dem mir die Schiene abgenommen werden sollte und ich dachte, dann könnte ich auch endlich die Krücken beiseitelegen. Was habe ich diesem Tag entgegen gefiebert! Doch dann die Ernüchterung – ich durfte zwar ohne Krücken, konnte es aber nicht. Nach sechs Wochen ohne Belastung in der Schiene fehlte mir die Muskelkraft im Bein, um mein Gewicht zu halten.

Jeder, der schon einmal einen Kreuzbandriss hatte, weiß natürlich, dass die Muskelkraft nachlässt und damit hatte ich auch gerechnet. Doch die steife Schiene, die ich wegen des Meniskusrisses tragen musste und die ich nur zum Duschen kurz abnehmen durfte, hat das verschlimmert. Ich konnte meine Muskulatur nicht mehr richtig ansteuern. So war ich auch nach einige Tage nach diesem für mich magischen Datum auf die Krücken angewiesen. Doch schon das Gefühl, keine Schiene mehr tragen zu müssen (die war nachts wirklich nervig), war super. Damit hatte ich nach meinem Gefühl den ersten Schritt zurück auf das Feld getan.

Inzwischen kann ich mich seit gut zwei Wochen komplett ohne Krücken bewegen. Das ist so ein schönes Gefühl, ich fühle mich viel weniger verletzt. Zwar humple ich noch ein bisschen und das Treppensteigen nach unten fällt mir sehr schwer, aber ich sehe jeden Tag die kleinen Fortschritte, die ich mache. Das macht mir Mut. Zudem ist es eine große Erleichterung, wieder selbstständiger zu sein. Seit der Verletzung war ich ständig auf Hilfe angewiesen, aber jetzt kann ich meine Wäsche auch endlich wieder alleine aufhängen oder mir die Tasse Kaffee ins Wohnzimmer tragen.

Deshalb fühle ich mich inzwischen wieder viel gesünder. Auch der Heilungsverlauf macht gute Fortschritte, es läuft alles nach Plan. Ich musste mich zwar erst wieder an das Gehen gewöhnen und hatte Probleme, die Hüfte richtig zu beugen, aber das hat sich gelegt. Es war und ist eine Geduldssache, daran erinnern mich auch alle immer wieder. Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass es alles schneller geht, doch da mir die Ärzte logisch erklären könnte, warum es dauert und wieso ich Geduld haben muss, kann ich damit gut umgehen.

Ich gehe jetzt fünfmal die Woche drei Stunden in die Reha-Klinik in Hamburg-Harburg. Dort bekomme ich eine erweiterte ambulante Physiotherapie, die sich aus Krankengymnastik, physikalischer Therapie und manueller Trainingstherapie zusammensetzt. Abgekürzt wird das zu KG, PT und MTT. Letztere umfasst vor allem Gerätetraining und Koordinationstraining. Nach der dritten, vierten, fünften Übung merke ich mein Knie auch immer noch, es fühlt sich fast an wie ein Fremdkörper. Beim Beinpressing arbeite ich mit 15, 20 Kilo – das ist ein „süßes“ Gewicht im Vergleich zu vorher, aber man muss ja klein anfangen …

Mit der Reha ist meine Woche relativ anstrengend geworden – da ich auch wieder arbeiten gehen kann. Von montags bis freitags fahre ich morgens zur Reha nach Harburg; da bin ich mir Fahrtweg gute fünf Stunden unterwegs. Danach geht es zurück nach Buxtehude zur Arbeit und abends gucke ich vielleicht nochmal in der Halle bei meinen Mädels vorbei. Und schwupp ist der Tag vorbei. Das ist zeitintensiver als eine normale Trainingswoche. Wenn ich zwei, drei Tage die Woche dann mal in Kiel bei Dominik bin (wo ich natürlich auch Reha mache), muss ich an den anderen Tagen mehr arbeiten. Doch den Sonntag halte ich mir frei, da entspanne ich. Das Knie braucht ja auch seine Pausen.

Ein handballerisches Highlight – wenn auch mit traurigem Ausgang für uns – war das Rückspiel um die Deutsche Meisterschaft in Thüringen. Nach dem Sieg im Hinspiel hatten wir es beim THC selbst in der Hand, doch leider hat es wieder nicht gereicht. Uns fehlte die Kraft. Ich war mit in der Halle und emotional voll dabei, ich hatte auch das Gefühl, zur Mannschaft zu gehören. Es war eine bittere Niederlage und die Enttäuschung entsprechend groß. Doch man muss festhalten, dass diese erneute Vize-Meisterschaft mit den Möglichkeiten, die wir haben, ein tolles Ergebnis ist. Es gibt Mannschaften, die bessere wirtschaftliche Möglichkeiten haben und trotzdem hinter uns stehen.

Während wir mit Buxte an der Meisterschaft vorbeigeschrammt sind, sammelt Dominik mit dem THW Kiel Titel um Titel. Meisterschaft, DHB-Pokal, Champions-League. Ich war zum ersten Mal in Köln beim EHF Final4 dabei. Es waren zwei unglaubliche Tage: Super Stimmung, spannende Spiele und Gänsehaut pur. Als Handballfan muss man das erlebt haben. Doch neidisch auf Dominik bin ich natürlich nicht. Ich bin stattdessen stolz auf ihn, freue mich mit und für ihn. Sie erarbeiten sich ihre Titel hart und spielen eine perfekte, quasi unübertreffliche Saison.

Für mich war es keine Frage, ob ich nach dem Kreuzbandriss wieder anfangen will. Das stand von Anfang an fest. Allen, die ebenfalls in meiner Situation sind und nach ihrem Kreuzbandriss wieder auf das Feld zurück wollen, kann ich nur raten: Macht die Übungen, die der Arzt euch empfiehlt! Ich habe mich daran brav gehalten und merke, wie es täglich besser wird. Auch Quarkwickel haben mir sehr geholfen. Sie haben nicht nur gekühlt, sondern auch die Entzündung rausgezogen. Das kann ich nur weiterempfehlen. Außerdem weiß ich, dass es hilft, nicht negativ zu sein. Freut euch über die Fortschritte und geht positiv und mit guter Laune in den Heilungsprozess (so schwer das auch sein mag)!

In diesem Sinne wünsche ich euch einen sonnigen Juni.
Eure Isi (aufgezeichnet von Julia Nikoleit)

HIER geht´s zum Original-Interview und zum ersten Teil des Gesprächs.