Ex-BSV-Spielerin Ahlgrimm brennt für den Nachwuchs

BUXTEHUDE/BENSHEIM. In Buxtehude ist Heike Ahlgrimm (42) als Spielerin bekannt. Von 2000 bis 2002 trug die frühere Nationalspielerin das Trikot des BSV. Am Sonnabend kommt Ahlgrimm in anderer Funktion in die Halle Nord: als Trainerin der HSG Bensheim/Auerbach.

 

Heike Ahlgrimm hat die zwei Jahre als Spielerin beim BSV als schöne Zeit in Erinnerung. Nicht nur sportlich lief es mit vorderen Platzierungen in der Meisterschaft; damals, zwischen 2000 und 2002, entstanden auch Freundschaften, die bis heute halten. Mit ihren damaligen Mitspielerinnen Susanne Petersen (ehemals Henze), Silke Christiansen, Melanie Schliecker und Trula Diminidis steht sie bis heute in Kontakt. „Wenn es möglich ist, komme ich zwei bis drei Mal im Jahr nach oben“, sagt Ahlgrimm. Mit „oben“ meint sie Buxtehude.

 

Nachdem Ahlgrimm ihre Karriere 2011 beendet hatte, landete sie als Trainerin in Blomberg und Leverkusen, scheiterte aber krachend. Sie war sich nicht mehr sicher, ob der Trainerjob das Richtige für sie sei und ging auf Weltreise. Kambodscha, Laos, Australien, Fidschi, Neuseeland. „Ich habe damals gemerkt, dass es immer noch juckt“, sagt sie. Die Angebote kamen, teilweise lukrative. Ahlgrimm aber ging nach Bensheim. Sie sah das Potenzial, das in diesem Club steckt mit den vielen jungen Spielerinnen und der Handball-Akademie.

 

Ahlgrimm coacht den Bundesliga-Aufsteiger aus Südhessen in ihrer zweiten Saison. Eine Handballspielgemeinschaft, die sich den Spitznamen „Flames“ gegeben hat, weshalb auch ein Handball mit Flammen das Logo der HSG ziert. Schon die Ex-Buxtehuderin Isabell Klein war dort noch zu Zweitligazeiten aktiv.

 

“Den BSV am Sonnabend ein bisschen ärgern”

 

Ahlgrimm führte die in großen Teilen neu aufgebaute Mannschaft auf Anhieb wieder in die Bundesliga. Nach ihrem Geschmack aber sei der Aufstieg zu früh gekommen. „Wir hatten viele junge Spielerinnen langfristig an uns gebunden und wollten erstmal was aufbauen“, sagt Ahlgrimm. Gleichwohl marschierte die Mannschaft souverän zur Zweitliga-Meisterschaft und sollte dafür belohnt werden.

 

Nun hat Bensheim den Klassenerhalt bereits sicher. Diese Gewissheit haben sie schon länger, denn mit dem abgeschlagene Schlusslicht HC Rödertal gibt es in dieser Saison nur einen Absteiger. „Ehrlich gesagt, die Luft ist raus“, sagt Ahlgrimm. Bensheim steht zwei Spieltage vor dem Saisonende mit 10:38 Punkten auf Platz zwölf und will, um die Spannung etwas hochzuhalten, diesen behaupten. „Und vielleicht können wir den BSV am Sonnabend ein bisschen ärgern“, sagt Ahlgrimm. Das Spiel gegen den BSV beginnt um 16 Uhr.

 

Der Aufsteiger musste in dieser Saison viel Lehrgeld zahlen, einerseits. Andererseits haftet ihm durch viele enge Spielverläufe und Ergebnisse das Image des unangenehmen Gegners an. Die SG BBM Bietigheim (24:24) und die TuS Metzingen (23:24) bekamen das zu spüren. „Wir haben nicht die individuelle Stärke“, sagt Ahlgrimm, „dafür zeichnen wir uns als Mannschaft aus.“ Eine Mannschaft, aus der zwei Namen heraustechen: Carolin Schmele, die zuletzt bei Dortmund spielte, lotsten sie mit einem Job zur HSG; und Bogna Sobiech, die ihrem Mann nach Südhessen folgte, und zwar dem Darmstädter Fußballprofi Artur Sobiech.

 

Die „Flames-Akademie“

 

Zwei Glücksgriffe für die „Flames“, die sich ansonsten keine großen finanziellen Sprünge erlauben können. Der Etat liegt bei 500 000 Euro, ist damit etwa halb so hoch wie beim BSV. Es gibt zwei, drei größere Sponsoren, keinen hauptamtlichen Geschäftsführer. Die Spielerinnen arbeiten in der Regel 30 bis 40 Stunden in der Woche – neben dem Handball. Ahlgrimm selbst, die in Buxtehude noch als Optikerin arbeitete, ist nun als Mediengestalterin bei einem Sponsor beschäftigt. „Das Geld, das wir haben, fließt in erster Linie in den Kader“, sagt Ahlgrimm.

Stolz ist sie vor allem auf die „Flames-Akademie“, ein Handball-Internat für Talente aus ganz Deutschland. Für den Nachwuchs hält der Verein mehrere Zimmer in einer Wohngemeinschaft bereit. In der ersten Mannschaft sei noch kein Talent ankommen, die Akademie gibt es auch erst seit drei Jahren. Ahlgrimm freut sich aber, dass sich jüngst die ersten beiden Mädchen entschlossen haben, auch nach der Zeit auf der Akademie bei der HSG zu bleiben und zunächst die zweite Mannschaft zu verstärkten. Ahlgrimm wertet das als großen Erfolg.

 

Eigengewächs verabschiedet sich am Sonnabend

 

Am Sonnabend empfängt der Buxtehuder SV die HSG Bensheim/Auerbach zum letzten Heimspiel der Saison in der Halle Nord. Anwurf ist um 16 Uhr. Mit einem Sieg könnte der Tabellendritte den zehnten Heimsieg in dieser Saison verbuchen. Interimstrainerin Heike Axmann, die den erkrankten Dirk Leun auch am Wochenende vertreten wird, betont: „Natürlich wollen wir uns von unseren Fans mit einem Sieg verabschieden und damit unserem Saisonziel einen Schritt näherkommen. Wichtig ist mir aber auch, dass wir noch einmal ein gutes Spiel zeigen.“ So wie beim 38:29-Erfolg am vergangenen Wochenende in Nellingen.

 

Axmann ist voll des Lobes für die Mannschaft. Die Spielerinnen seien sehr kommunikativ und gingen sehr professionell mit der Situation um. „Sie sind erfahren genug, um diese Phase mit einem hohen Maß an Disziplin und Motivation zu meistern“, sagt Axmann.

 

Kapitänin Antje Peveling: „Wir sind als Mannschaft ein verschworener Haufen und haben ein gemeinsames Ziel: Wir wollen bis zum Saisonende den Europapokal-Platz verteidigen.“ Manager Peter Prior sagt, dass Axmanns Engagement ob der großen zeitlichen Belastung nicht selbstverständlich sei. Axmann müsse neben ihrem Job in einem Reisebüro noch die A-Jugend auf die Deutsche Meisterschaft vorbereiten und habe sich nach Leuns Ausfall sofort bereit erklärt, die Lücke vorübergehend zu schließen.

 

Am Sonnabend laufen zum letzten Mal vier Spielerinnen für den BSV in der Halle Nord auf. Eigengewächs Emily Bölk (Thüringer HC), die Niederländerinnen Lynn Knippenborg (Team Tvis Holstebro) und Michelle Goos (Neckarsulmer SU) sowie Rechtsaußen Katharina Meier (Werder Bremen) verlassen den BSV und werden zusammen mit den Abgängen des Juniorenteams nach dem Spiel verabschiedet.

 

Um 18.30 Uhr geht es in der Diskothek Freudenhaus bei der Saisonabschluss-Party weiter. Dort wird dann die Spielerin der Saison gekürt. Bei der Wahl, die von der Sparkasse Harburg-Buxtehude und Medienpartner TAGEBLATT präsentiert wird, haben mehr als 1000 Fans ihre Stimme abgegeben. (tim/bt)

 

  • Für das Spiel gibt es noch rund 150 Sitzplatzkarten.
  • Der BSV-Fanclub „Has‘ und Igel“ und das Jugendrotkreuz Buxtehude bieten am Sonnabend ab 14 Uhr verschiedene Aktionen rund um das Spiel in der Halle Nord: Kinderschminken, Luftballontiere, Torwandwerfen.

Quelle: TAGEBLATT vom 11.05.2018