DM Final4: Buxtehude verliert Finale nach Siebenmeterkrimi

In einem an Dramatik nicht zu überbietenden Finale gewinnt Bayer Leverkusen mit 31:30 nach Siebenmeterwerfen und ist zum vierten Mal deutscher A-Jugend-Meister. Der Buxtehuder SV holt einen zwischenzeitlichen sechs Tore Rückstand auf und verpasst den Titelhattrick hauchdünn. Pechvogel des Tages ist Louisa Scheruhn, die im Siebenmeterwerfen zweimal nicht getroffen hat.

 

Bayer 04 Leverkusen – Buxtehuder SV 31:30 nach Siebenmeterwerfen (25:25; 22:22; 10:8). Der Jubel kannte keine Grenzen mehr bei den Spielerinnen von Bayer Leverkusen, nachdem Mareike Thomaier den entscheidenden Siebenmeter verwandelt hatte. Die Mannschaft begrub die Siegtorschützin unter sich. Auch Leverkusens Torfrau Lisa Fahnenbruck wurde unter einem Menschenhaufen begraben. Sie hatte im Siebenmeterwerfen die Würfe von Aimée von Pereira und Louisa Scheruhn gehalten. Zudem hatte Scheruhn ihren ersten Siebenmeter über das Tor geworfen.

 

Wurden im Siebenmeterwerfen die Nerven aller anwesenden Personen strapaziert, schien es Mitte der zweiten Halbzeit eine deutliche Angelegenheit zugunsten „Juniorelfen“ werden. Zwölf Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit führte die Mannschaft von Kerstin Reckenthäler mit 20:14. Doch mit zwei schnellen Toren leitete Buxtehudes Cassandra Nanfack eine packende Schlussphase ein. Beim 16:20 wachten die 933 Zuschauer auf und verwandelte die Halle einmal mehr in die „Hölle Nord“. Nach dem Tor von Annika Lott zum 21:16 verkürzten von Pereira und Emily Theis auf 18:21. Spätestens nach dem 19:21 durch Franziska Fischer war die Nervosität bei den Leverkusenerinnen zu spüren. Es schien als wäre die Mannschaft der Stimmung in der „Hölle Nord“ nicht gewachsen.

 

Auch eine Auszeit brachte nicht die nötige Ruhe, um das Ergebnis zu verwalten. Zwei verwandelte Siebenmeter von Cassandra Nanfack, die als beste Spielerin des Final4 ausgezeichnet wurde, brachten die Halle zum Kochen. Als Aimée von Pereira 40 Sekunden vor dem Ende den BSV erstmals seit dem 4:3 in Führung brachte, glaubte die Halle bereits an die dritte BSV-Meisterschaft in Serie. Von der Stimmung angesteckt wurde ausgerechnet eine, die in der kommenden Saison die „Hölle Nord“ ihr Zuhause nennen darf. Annika Lott tauchte acht Sekunden vor der Sirene frei vor Katharina Filter auf und traf zum 22:22 – zweimal fünf Minuten Verlängerung.

 

Wer dachte, dass die Mannschaft von Heike Axmann nach der Aufholjagd die „Juniorelfen“ gebrochen hätte lag falsch. Reckenthäler stellte ihr Team nochmal famos ein. Mareike Thomaier traf per Siebenmeter und Torhüterin Lisa Fahnenbruck parierte zweimal. Aber auch ihre Gegenüber Katharina Filter, mit 20 Paraden im Finale als beste Torhüterin des Final 4 ausgezeichnet, vernagelte nun ihren Kasten. Annika Fröhlich glich erneut für Buxtehude aus. In der zweiten Hälfte der Verlängerung legte wieder der BSV in Person von Fröhlich vor. Leverkusens beste Mareike Thomaier glich aus. Auch auf das 25:24 von Cassandra Nanfack hatte Thomaier mit ihrem neunten Treffer die passende Antwort parat.

In den letzten beiden Minuten hatte zunächst Buxtehude die Chance auf den Siegtreffer. Fahnenbruck parierte allerdings gegen von Pereira. Auf der Gegenseite parierte Filter ebenfalls. Der letzte Angriff lag somit in den Händen des BSV. Zehn Sekunden vor dem Ende verlor eine ansonsten starke Emily Theis den Ball und Leverkusen hatte keine Zeit, um ihrerseits den Tempogegenstoß auszuspielen.

 

Die Entscheidung um die Deutsche Meisterschaft musste im Siebenmeterwerfen fallen. Dort legte Leverkusens Jennifer Kämpf vor. Buxtehudes Scheruhn warf über das Tor. Nachdem Treffern von Amelie Berger (Leverkusen) und Emily Theis, warf die sonst sichere Mareike Thomaier am Tor vorbei. Franziska Fischer glich aus und den folgende Siebenmeter hielt Katharina Filter gegen Annika Lott. Anschließend versagten Aimée von Pereira die Nerven, sodass Cassandra Nanfack nach dem Treffer von Dana Gruner treffen musste. Nanfack verwandelte nicht nur sicher sondern startete auch den zweiten Durchgang des Siebenmeterwerfens. Sie traf erneut genauso wie Kämpf, Fischer und Gruner. Bei 30:30 übernahm Louisa Scheruhn erneut Verantwortung und scheiterte an Fahnenbruck. Damit war die Tür offen für Mareiek Thomaier. Anders als Scheruhn behielt sie bei ihrem zweiten Siebenmeter die Nerven und traf ins Tor. Der Rest war Freude pur bei den „Juniorelfen“.

 

Die BSV-Spielerinnen zeigten sich hingegen kurzzeitig enttäuscht über den verpassten Titelhattrick. Bei der Siegerehrung war dem Team schon wieder die Freude im Gesicht. Immerhin hatten sie vor der Saison nicht mit dem Finaleinzug gerechnet. Beste Torschützin des Final4 wurde Munia Smits von der HSG Blomberg-Lippe. Sie erzielte 19 Tore im Final4.

 

Kerstin Reckenthäler: „Es ist unfassbar, dass wir es geschafft haben. Damit hatte vor der Saison keiner gerechnet. Ich habe im er an die Mannschaft geglaubt. Sie ist zu einem echten Team zusammengewachsen. Nach dem 20:14 wurde der Druck immer größer und mit jedem Tor stieg die Nervosität. In dieser Phase habe ich versucht meine Mannschaft emotional mitzunehmen und wir haben als Team die Sensation möglich gemacht.“

 

Heike Axmann: „Wir haben die Silbermedaille gewonnen. Es ist grandios, was die Mannschaft auch auf dem Weg ins Final4 geleistet hat. Am Anfang haben wir uns schwergetan gegen die offensive Abwehr, aber ich habe immer dran geglaubt, dass wir uns zurückkämpfen, auch als wir sechs Tore hinten waren. Am Ende ist es bitter, aber einer muss halt im Siebenmeterwerfen verlieren. Die Mannschaft kann aber stolz auf ihre Leistung im Finale sein.“

 

Marielle Bohm (U20-Nationaltrainerin): „Es war ein tolles Finale mit einer super Stimmung und einem würdigen Rahmen. Am Ende gewinnt im Siebenmeterwerfen halt immer die glücklichere Mannschaft. Der Sieg für Leverkusen geht dennoch vollkommen in Ordnung. Aber auch der BSV hat einen tollen Job gemacht. Sie waren nicht favorisiert, haben aber Paroli bis zum Schluss geboten.“

 

Bayer Leverkusen: Hergarten, Fahnenbruck – Killmer, Holste (1), Schneiders, Souza (2), Kämpf (3/2), Cormann, Thomaier (10/6), Müller, Polsz, Lott (8), Berger (5/1), Gruner (2/2), Hinkelmann, Rode.

 

Buxtehuder SV: Sibbertsen, Filter – Fleischmann, Harms, Mettner (2), Fröhlich (4), Scheruhn (2/2), Nanfack (12/5), Heinemann, von Prittwitz, Fischer (4/2), von Pereira (3), Theis (3/1), Pieszkalla.