Das Lazarett lichtet sich nur langsam

Er hätte viele Gründe zur Klage, aber noch bleibt er gelassen: BSV-Trainer Dirk Leun hatte die Vorbereitung auf die neue Bundesliga-Saison bis ins Detail geplant – doch viele seiner Pläne sind Makulatur, denn dem Coach fehlt schlicht und einfach das Personal: Neben drei großen Verletzungen gibt es zahlreiche kleinere Blessuren, die dem Team die geplante Vorbereitung bisher kräftig vermasselt haben.
Am kommenden Wochenende sollte die Standortbestimmung erfolgen: Beim Sika-Cup in Bad Urach, einem der großen Vorbereitungs-Turniere mit Top-Teams aus Norwegen, Dänemark und Russland. Doch der BSV musste absagen (das TAGEBLATT berichtete).
“Schweren Herzens”, sagt Dirk Leun, denn gerade im Hinblick auf die anstehende Champions-League-Qualifikation am 21./22. September in Norwegen, wären die Duelle mit den europäischen Spitzenmannschaften wichtig gewesen. Leun: “Mit einem kleinen Kader da anzutreten bringt nichts und schon gar kein Selbstbewusstsein für den Ligaauftakt.” Am 8. September ist um 15 Uhr die Saison-Premiere gegen Frankfurt/Oder in der Halle Nord.
Der kleine Kader: Isabell Klein ist nach dem Kreuzbandriss noch lange nicht fit, dazu kommt die Knie-Verletzung von Diane Lamein, die auch noch vier bis sechs Wochen pausieren muss. Wie lange Katja Langkeit ausfallen wird, ist ungewiss, sie hat akute Achillessehnenprobleme und kann seit Wochen nicht richtig trainieren. Nicht ganz so dramatisch sind die Blessuren von Randy Bülau (Prellung Hand), Stefanie Melbeck (Knieprobleme), Josephine Techert (Knieprobleme), Friederike Lütz (Knieprobleme) und Maxi Hayn (Schulter), die auch alle in den letzten Tagen nicht voll trainieren konnten. Leun: “Eine gezielte Vorbereitung sieht anders aus.” Das Problem für Dirk Leun: Taktische Varianten konnten bisher nicht geübt werden, außerdem fehlt jegliche Standortbestimmung. Schon im Trainingslager wollte er vor allem die Abstimmungen und Abläufe innerhalb der Mannschaft optimieren. Weil Leun teilweise nur zehn Feldspielerinnen zur Verfügung hatte, stand vor allem das individuelle Training im Vordergrund. “Die Physiotherapeuten hatten mehr Arbeit als der Trainer”, sagt Leun.
Am vergangenen Wochenende gab es eine sogenannte teambildende Maßnahme – das gemeinsame Erlebnis an einer Kletterwand.
In dieser Woche soll sich das Lazarett etwas lichten, außerdem hat Leun aus dem Perspektivkader Isabell Kayser mit ins A-Aufgebot befördert. Von der jungen Kreisläuferin hält er sehr viel. “Wenn ich nicht überzeugt wäre, dass sie es schaffen kann, hätte ich sie nicht mit aufgenommen.” Mit dem Zweitligisten Rosengarten gib es in dieser Woche ein gemeinsames Training, nächste Woche wird gemeinsam mit dem HC Leipzig trainiert – Trainingsspiele jeweils mit eingeschlossen, aber ohne Zuschauerbeteiligung. Eine der notwendigen Maßnahmen ist die weitere Feinabstimmung der neuen Kreisläuferin Marcella Deen, der Leun schon gute Fortschritte bescheinigt. Die junge Holländerin ist der einzige Neuzugang in dieser Saison – dabei werde es auch bleiben, sagt der Trainer.
Die Fans werden das Team erstmals am Sonnabend, 1. September, sehen, wenn um 15 Uhr zum Saison-Opening das dänische Team Tvis Holstebro in der Halle Nord gastiert. Gegen die Dänen gab es im Rahmen des Trainingslagers eine empfindliche 29:40-Niederlage, allerdings war der BSV da nur mit einem Rumpfkader angetreten.
Das kurzfristige Ziel ist zunächst der Bundesliga-Auftakt gegen Frankfurt/Oder, danach folgt das Auswärtsspiel in Göppingen und die Heimpartie gegen Bayer Leverkusen am 19. September, bevor es zur Champions- League-Qualifikation nach Norwegen geht. Da will der BSV punkten und auch in diesem Jahr in der Königsklasse spielen.

Quelle: TAGEBLATT vom 21. August 2012