32:35 Niederlage in Leipzig: BSV mit großem Kampf – aber ohne Punkte

BUXTEHUDE. Der Buxtehuder SV musste sich nach langem Kampf geschlagen geben. Am Mittwoch verlor das Team von Trainer Dirk Leun mit 32:35 beim HC Leipzig – und das drei Tage vor dem erneuten Duell im DHB-Pokal. Warum der BSV trotzdem ein positives Gefühl mitnimmt.

 

Der BSV wirft 32 Tore in Leipzig und steht doch mit leeren Händen da. „Da wünscht man sich als Trainer, wenigstens einen Punkt mitzunehmen“, sagt BSV-Coach Dirk Leun. Seine Mannschaft machte dem HCL das Leben über weite Strecken schwer, zeigte sich im Abschluss und in den Zweikämpfen verbessert im Vergleich zum Spiel gegen Metzingen, leistete sich aber mehr einfache Fehler als das Spitzenteam aus Leipzig – und das erzielte am Ende drei Tore mehr.

 

Dabei legte der BSV so gut los. Fünf Angriffe, fünf Tore. Nach drei Spielminuten stand eine 5:2-Führung. Vor allem über die erste und zweite Welle waren die Buxtehuderinnen brandgefährlich: Einmal vollendete Annika Meyer, zweimal Maike Schirmer. So einen Start hätte sich Dirk Leun auch am vergangenen Sonntag gewünscht, als es sechs Minuten dauerte, ehe der Ball erstmals in Metzingens Tor landete. Doch dabei blieb es zunächst. Denn nach einer Auszeit kehrte beim BSV der Schlendrian ein. Technische Fehler und Fehlwürfe begünstigten die erste Leipziger Führung nach sechs Minuten (6:5).

 

Der BSV ließ den HC Leipzig jedoch nicht enteilen. Annika Meyer und Friederike Gubernatis sorgten für den 8:8-Ausgleich. Als Lone Fischer von der Siebenmeterlinie die Chance hatte auf 10:8 zu erhöhen, scheiterte sie, bügelte ihren Fehler aber durch zwei Gegenstoßtore zum 11:9 (14.) wieder aus. Auf der Gegenseite konnte sich Buxtehudes Torfrau Julia Gronemann, die einen starken Tag erwischte, auszeichnen, indem sie Shenia Minevskajas Strafwurf parierte. Auffallend: Die Leipzigerinnen suchten vermehrt mit schnellen und kraftvollen Antritten die Lücken in der BSV-Deckung – und fanden sie zumeist auf der rechten Seite zwischen Annika Meyer und Maike Schirmer.

 

Der knappe Vorsprung geriet ins Wanken. Auch weil sich Jessica Oldenburg zwei Fehlwürfe in Folge leistete und weil die Leipzigerinnen Karolina Kudlacz-Gloc (15:14) und Torhüterin Katja Kramarczyk (16:14) jeweils aus der eigenen Hälfte ins verwaiste Buxtehuder Tor trafen. Um die Unterzahl auszugleichen, hatte Dirk Leun Torfrau Julia Gronemann zugunsten einer siebten Feldspielerin ausgewechselt. Die Folge: Die Buxtehuder Führung war futsch. Immerhin gelang die Revanche, als Friederike Gubernatis den Ball wenige Sekunden vor der Pause zum 17:18 ins leere Leipziger Tor warf.

 

„So macht Handball hier in Leipzig Spaß“, brüllte der Hallensprecher ins Mikrofon. Und er behielt recht: Die Zuschauer in der Arena Leipzig sahen allein im ersten Durchgang 35 Tore. Buxtehudes Tempohandball erinnerte an den Auftritt im Auftaktspiel gegen den VfL Oldenburg.

 

Lisa Prior, die beim BSV Regie führte, verschuldete zunächst den ersten Gegentreffer nach der Pause, leistete sich dann einen Fehlwurf, sorgte dann für das 18:19 (33.). Die Spielmacherin setzte ihre Mitspielerinnen durch ihre Pässe und Laufwege gut in Szene. Trainer Dirk Leun sah keinen Grund, die mitgereiste, am Daumen verletzte Lynn Knippenborg einzusetzen. Auch die vielen Wechsel zwischen Angriff und Abwehr sprachen gegen den Einsatz der Niederländerin.

 

Nach 38 Minuten traf Friederike Gubernatis, die sieben und damit die meisten BSV-Treffer erzielte, zum 22:22. Ganz stark in dieser Phase: Torhüterin Julia Gronemann, die bis zur 40. Minuten fünf starke Paraden zeigte. Die Leipzigerinnen jedoch spielten ihre Angriffe konzentriert aus und rissen durch ihr schnelles Kombinationsspiel immer wieder Lücken in die Buxtehuder Deckung oder überwanden sie dank ihrer Körpergröße. Wie Anne Hubinger (1,85 Meter), die zwölf Mal traf. Nach einem 3:0-Lauf lag der HCL mit vier Toren in Front (27:23, 42.). Die Gastgeberinnen griffen die sechs BSV-Verteidigerinnen häufig auch mit sieben Feldspielerinnen an. „Das ist eines der Probleme, die wir lösen müssen“, sagt Dirk Leun.

 

In der zerfahrenen Schlussphase kam der BSV noch auf zwei Tore heran (32:34, 58.) – es reichte aber nicht mehr. Dennoch: „Wir wollten das Gefühl mitnehmen, dass wir im Pokal eine Chance haben – und das nehmen wir mit“, sagt der BSV-Coach. Bis zum erneuten Duell am Sonnabend (19.30 Uhr) in der Halle Nord gelte es, zu regenerieren und noch einige Details zu verändern. Leipzig kann kommen.

Die Statistik zum BSV-Spiel

Buxtehuder SV: Gronemann, Rühter; Meyer 3, Fischer 3/1, Gubernatis 7, Knippenborg, Schirmer 4, Oldenburg 5, Bölk 5/2, Goos 1, Kaiser, Hayn 1, Prior 3.

HC Leipzig: Kramarczyk 1, Kurzke, Roth; Mazzucco 1, Einarsdottir 3, Kudlacz-Gloc 4, Bösch 3/1, Hubinger 12/3, Lang 8, Reimer 2, Minevskaja 1, Rode.

 

Spielfilm aus BSV-Sicht: 5:2 (4.), 9:8 (12.), 13:11 (19.), 14:15 (25.), 17:18 (Halbzeit), 20:21 (36.), 23:27 (42.), 27:30 (48.), 30:34 (56.), 32:35 (Ende).

Siebenmeter: BSV 4/3 (Bölk 2/2, Fischer 2/1) – HCL 7/4 (Hubinger 4/3, Bösch 1/1, Kudlacz-Gloc 1/0, Minevskaja 1/0).

Zeitstrafen: BSV 2 (Meyer, Kaiser) – HCL 2 (Hubinger, Minevskaja).

 

Schiedsrichter: Maike Merz und Tanja Schilha

Zuschauer: 1281

 

Quelle: TAGEBLATT (Tim Scholz) vom 29.09.2016