Als Bölk und Axmann die WM vergoldeten – Heute vor 25 Jahren holte Deutschland den Titel

Weltmeister aus der Region: Co-Trainer Otto Sternberg aus Hollenstedt (stehend rechts), Mannschaftsarzt Dr. Wolfram Tiemann aus Stade (stehend links), Heike Axmann (stehend 5. von rechts) und Andrea Bölk (hockend 4. von rechts).

 

Heute vor 25 Jahren waren zwei Buxtehuderinnen an dem größten Erfolg im deutschen Frauen-Handball nach der Wende beteiligt. Andrea Bölk und Heike Axmann werden in Oslo sensationell Weltmeisterinnen. Neben den BSV-Spielerinnen gehörten zwei Männer aus der Region zum Trainerstab der DHB-Auswahl.

 

Am 5. Dezember 1993 gewinnt die DHB-Auswahl gegen Dänemark 22:21 nach Verlängerung und wird Weltmeister in Norwegen. Mit diesem Erfolg war am Finaltag und vor dem Turnier schon gar nicht zu rechnen. „Wir hatten zwar Ambitionen, aber es hatte uns keiner auf dem Zettel, da wir vorher bei einem Turnier in Norwegen echt grottig gespielt hatten. Zudem hatten wir vor dem Finale viele angeschlagene und kranke Spielerinnen“, berichtet Andrea Bölk. Innerhalb der Nationalmannschaft ging damals eine Grippewelle um.

 

Dass keiner mit einem Sieg Deutschlands gerechnet hat, zeigte auch die Probe der Siegerehrung am Tag vor dem Finale, erinnert sich der aus Hollenstedt stammende Otto Sternberg, damaliger Co-Trainer des Bundestrainers Lothar Döring: „Wir haben parallel trainiert und da wurde die Fahne von Dänemark gehisst. Da haben wir uns gesagt, dass nach dem Finale die Deutschland-Fahne dort hängen wird.“

Auch die 8000 Zuschauer in Oslo konnten die Deutschen bezwingen. „Die ganze Halle war gegen uns. Das hat uns nach vorne gepeitscht. Als wir gemerkt haben, dass wir dran bleiben, haben wir bis zum Umfallen gekämpft.“ Nach 70 dramatischen Minuten gab es schließlich kein Halten mehr. Bianca Urbanke hatte eine halbe Minute vor Schluss das entscheidende Tor erzielt und die deutsche Party starten lassen.

 

Nur Bölk konnte nicht richtig feiern. „Ich wollte mit der Mannschaft in der Halle jubeln, doch mir lief die ganze Zeit eine Tante von der Dopingkontrolle hinterher. Das hat mich gewurmt“, sagt Bölk. Aber auch die Dopingkontrolle stellte kein Hindernis für die damals 25-Jährige dar, sodass sie schnell weiterfeiern konnte.

 

Während die Mannschaft ihren Triumph ausgelassen zelebrierte, nahmen in der Heimat nur wenige von dem Erreichten Kenntnis. Die Berichterstattung in Deutschland hielt sich in Grenzen. Entsprechend wurde das Team am Tag nach dem Finale nur von den Familien und einigen Fans des Buxtehuder SV am Hamburger Flughafen empfangen. „Die Rückkehr war relativ unspannend, da die meisten am nächsten Tag wieder arbeiten mussten“, sagt Bölk.

 

Ein Vierteljahrhundert nach dem Weltmeistertitel wird sich das Team von damals wiedersehen. Der Deutsche Handballbund (DHB) hat zum Spiel Deutschland gegen Frankreich bei der Männer-Weltmeisterschaft im Januar nach Berlin eingeladen. Dann werden sicherlich unzählige Erinnerungen an den 5. Dezember 1993 hochkommen. Für Bölk gehören die jedoch zum Alltag. „Meine Medaille hängt bei mir im Arbeitszimmer, sodass ich immer mal wieder einen Blick drauf werfe.“

 

Dass der damalige Erfolg überhaupt zustande kam, lag laut Bölk an Trainer Lothar Döring, der das Team nach den Olympischen Spielen 1992 gemeinsam mit Otto Sternberg übernommen hatte. 1990 gewann die DDR bei der Weltmeisterschaft Bronze und die BRD wurde Vierter. Entsprechend groß waren die Hoffnungen vor Olympia 1992, doch es reichte nur für Platz vier in Barcelona. „Wir hatten eigentlich eine tolle Mannschaft. Er hat es geschafft, daraus ein Team zu bilden“, erläutert Bölk. Das war nicht einfach. „Da die Spielerinnen berufstätig waren, hatten sie kaum Zeit. Doch mit der Zeit wuchsen die Motivation und der Glaube. Schließlich gipfelte es im Titel“, erklärt Sternberg die anfänglichen Probleme. Neben Sternberg gehörte auch Mannschaftsarzt Dr. Wilram Tiemann aus Stade zum Betreuerteam.

 

 

Die derzeitige Entwicklung der Frauen-Nationalmannschaft bewertet Bölk positiv. „Henk Groener und sein Trainerteam wissen, wovon sie reden. Sie lassen den Mädels ihre Kreativität und Spielfreude und geben ihnen wichtige Tipps.“ Dies habe sich beim überraschenden 33:32-Erfolg zum Auftakt der Europameisterschaft gegen Titelverteidiger Norwegen in Frankreich gezeigt.

 

Im abschließenden Vorrundenspiel am heutigen Mittwoch gegen Tschechien (18 Uhr/ live bei Eurosport oder im Live-Stream bei www.sportdeutschland.tv) reicht dem Team bereits ein Punkt, um sich für die Hauptrunde zu qualifizieren. Dann würde auch Andrea Bölk nach Frankreich reisen, um ihre Tochter Emily zu unterstützen. Die ehemalige BSV-Spielerin ist eine Stütze im Spiel der Nationalmannschaft. Gegen Norwegen erzielte die Rückraumspielerin des Thüringer HC 20 Sekunden vor dem Ende den Siegtreffer.

 

Fotos: Uhl (2).