26:27-Niederlage in Dortmund – Leun zeigt kein Anzeichen von Beunruhigung

Eine verkorkste erste und eine starke zweite Halbzeit – der Handball-Bundesligist Buxtehuder SV ist nach der 26:27-Niederlage (9:15) bei Borussia Dortmund auf Platz fünf abgerutscht. Der Trainer zeigte kein Anzeichen von Beunruhigung.

Warum auch? Dieser Spieltag machte deutlich, dass im oberen Mittelfeld der Liga alles möglich ist.

 

Anderthalb Minuten vor dem Ende narrt Lone Fischer BVB-Torhüterin Clara Woltering mit einem Tunnler aus sieben Metern. 25:26. Das Unentschieden ist in greifbarer Nähe. Da Svenja Huber es ihr wenig später gleichmacht, indem sie BSV-Torhüterin Lea Rühter bei einem Strafwurf tunnelt, sinkt die Wahrscheinlichkeit auf den einen Punkt. Letztlich kann nur noch Lone Fischer einen weiteren Siebenmeter verwandeln, aber nicht mehr verhindern, dass Dortmund den Handball-Krimi in der Sporthalle Wellinghofen gewinnt – und damit den Kampf um Platz vier verschärft.

 

BSV-Trainer Dirk Leun findet, dass sich jede Spielerin nach diesem Auftritt in den Allerwertesten beißen müsse. Zwei Zahlen verdeutlichen, was schiefgelaufen ist:

15 Fehlwürfe in der ersten Halbzeit,

2 Fehlwürfe in der zweiten Halbzeit.

 

„Die Hypothek der ersten Halbzeit war einen Tick zu hoch, um das Spiel nach der Pause noch zu drehen“, sagt Leun. Seine Mannschaft tat sich schwer, die Lücken im Dortmunder Abwehrbollwerk zu finden und verstrickte sich in Einzelaktionen. Die Abschlüsse waren zumeist leichte Beute für Woltering. Und hinten mussten die Buxtehuderinnen zusehen, wie Dortmund mit viel Tempo kam und sicher traf. Die Torhüterinnen Antje Peveling und Lea Rühter bekamen kaum einen Ball zu fassen. „Die erste Halbzeit war unterirdisch“, sagt Leun. „Das war der halbe Genickbruch.“

 

BSV-Trainer stellt die Abwehr um

Kurz vor der Pause traf Leun dann eine weitreichende Entscheidung: Er stellte die Abwehr um. Fünf Spielerinnen verteidigten nun am Kreis, eine (Lynn Knippenborg) rückte vor. Diese 5:1-Deckung störte die Borussia im Zentrum entscheidend. Der BSV gab dem Rückraum um Nadja Mansson so keinen Platz mehr, um frei hochzusteigen, in aller Ruhe eine Ecke auszusuchen und zu werfen. Damit kam der BSV, der im ersten Durchgang schon mit sieben Toren zurücklag, auf zwei Tore (13:15, 35.) heran.

Ein weiterer Faktor: Der BSV legte im Abschluss zu und überwand das berüchtigte Abwehrbollwerk immer häufiger. Das zeigt eine einfache Rechnung: Der BSV verlor den ersten Durchgang zwar mit 9:15, gewann den zweiten aber mit 18:11. „Dafür kann ich meine Mannschaft nur loben“, sagt Leun. Vor allem Kreisläuferin Isabell Kaiser stach aus der Buxtehuder Mannschaft heraus – mit einer konzentrierten Leistung in Abwehr und gutem Stellungsspiel und Abschlüssen im Angriff.

 

Zwei unglückliche Zeitstrafen

Doch es gab auch Aktionen, die dem BSV möglicherweise ein besseres Ergebnis kosteten, wie zwei unglückliche Zeitstrafen gegen Lisa Prior und die zu dem Zeitpunkt ausgewechselte Jessica Oldenburg (betrat unerlaubt das Spielfeld, als sie mit ihrer kaputten Kontaktlinse zu kämpfen hatte). Auch aus der Distanz blieb der BSV blass. „Uns hat die Wurfkraft von Emmy im Rückraum gefehlt“, sagt Leun. Durch den Ausfall von Emily Bölk (Haarriss in der linken Hand) war Oldenburg erneut im linken Rückraum auf sich alleine gestellt und konnte in Dortmund nicht an ihr Formhoch anknüpfen.

 

Was nimmt der BSV mit aus dem Pott? Eine verkorkste erste und eine starke zweite Halbzeit reichen nicht, um einen direkten Konkurrenten zu schlagen. Das ist die Erkenntnis nach drei Siegen gegen schwächere Mannschaften. Bereits an den nächsten beiden Spieltagen hat der BSV, aktuell Fünfter, gegen Leverkusen und Göppingen (Platz 8 und 7) Gelegenheit, einen besseren Auftritt hinzulegen und sich Luft gegenüber den Verfolgern zu verschaffen. Leun jedoch interessiert die Tabellensituation nur wenig und legt eine Am-Ende-wird-abgerechnet-Mentalität an den Tag. „Es hat viel mit Glück, Verletzungspech und Konstanz zu tun.“ Nach Metzingens Niederlage gegen Blomberg ist sogar Platz drei wieder in Reichweite.

 

Die Statistik zum Spiel

Spielverlauf aus BSV-Sicht: 1:2 (5.), 3:6 (12.), 5:10(18.), 7:13 (24.), 9:15 (Halbzeit), 13:17 (36.), 15:20(42.), 17:22 (46.), 21:24 (52.), 26:27 (Endstand).

 

Buxtehuder SV: Peveling, Rühter, Gronemann; Borutta, Meier, Fischer 8/5, Haurum, Gubernatis 3, Knippenborg 4, Schirmer 2, Oldenburg 1, Goos, Kaiser 7, Prior 1.

 

Borussia Dortmund: Woltering, Roetgger; Kramer, Grijseels 3, Weisheitel, C. Müller 3, A. Müller 2, Espinola Perez, Galinska, Stockschläder 3, van Kreij 2, Huber 9/6, Mansson 4, Emberovics 1, Vaszari.

 

Siebenmeter: BSV 7/5 (Fischer 6/5, Prior 1/0) – BVB 6/6 (Huber 6/6).

Zeitstrafen: BSV 2 (Oldenburg 1, Prior 1) – BVB 1 (Emberovics 1).

Zuschauer: 400

Schiedsrichter: Sebastian Grobe und Adrian Kinzel

 

Nächstes Spiel: Buxtehuder SV – Bayer Leverkusen (Sonnabend, 10. März, 16 Uhr, Halle Nord).

 

Quelle: TAGEBLATT