Trainer Leun: Wie der BSV die Krise überwunden hat

BUXTEHUDE. In der Führung eines Unternehmens und einer Mannschaft im Leistungssport gibt es Parallelen – vor allem beim Konfliktmanagement. BSV-Trainer Dirk Leun sprach auf Einladung des Wirtschaftsvereins über das schwache Abschneiden bis Weihnachten.

 

Eines vorweg: Wenn es in der Firma nicht läuft, greift Martin Leuchtenberger zu ähnlichen Mitteln. Der Stadac-Geschäftsführer vertrat den Unternehmenspart. Leuchtenberger, Leun und BSV-Spielerin Maike Schirmer waren bei dem Talk in der Sporthalle Nord Gesprächspartner von Moderatorin Corinna Marquardt.

Maike Schirmer.

 

Negativer Höhepunkt der Flaute beim BSV war das 29:29-Remis am 18. November gegen den bis dahin punktlosen Tabellenletzten SV Union Halle-Neustadt. „Wir hatten halbwegs eine Krisensituation für BSV-Verhältnisse“, sagt Leun heute. So deutlich hat das bis dato kein BSV-Verantwortlicher formuliert. Leun erzählt, dass er zunächst in die akribische Analyse ging. Im Schnitt zehn Passfehler pro Spiel habe er auf dem Videomaterial entdeckt. Außerdem „schlechtes Zweikampfverhalten“ und zu langsames Zurücklaufen in die eigene Hälfte. Gefühlt hätten sich seine Spielerinnen zu sehr mit den Schiedsrichterentscheidungen beschäftigt und sich ablenken lassen von ihren Basisaufgaben.

 

Dann zog Leun Schlüsse. Er beantwortete für sich die Frage, ob in der Mannschaft die Hierarchien stimmen, ob er personell etwas verändern muss und konfrontierte die Spielerinnen mit ihren Stärken. „Kommunikation ist das A und O“, sagt Leun. Sachlich, kritisch, aber vor allem ehrlich sei die Mannschaft in der Aufarbeitung miteinander umgegangen. „Nur so können wir wieder eine Siegermentalität entwickeln“, sagt der Coach. Der Erfolg kam schließlich zurück. Nach der EM- und Weihnachtspause legte der BSV bis heute eine Siegesserie hin und gewann fünf Spiele.

Vertrauensvolle Problemlösung

Leuchtenberger kennt solche Phasen. Vor zwei Jahren habe er sich mit seinen Mitarbeitern in einem kleinen Raum zusammengesetzt, um eine Krise zu bewältigen. „Wir haben genug Kompetenz“, lautete damals seine Botschaft. Bei der vertrauensvollen Problemlösung ginge es nur um das Wie.

Martin Leuchtenberger.

 

Wie im Sport generiere der Mitarbeiter eines Unternehmens seine Grundmotivation aus dem Spaß an der Sache, argumentiert Leuchtenberger. Junge oder neue Kollegen hielten nicht alle eingefahrenen Abläufe für selbstverständlich und geben neue Impulse. Erfahrene Mitarbeiter könnten sich einschätzen. „Das hilft beim Setzen verbindlicher Ziele“, sagt Leuchtenberger. Leun sieht das ähnlich und ergänzt, dass ein Sportler immer dazu bereit sein müsse zu lernen. Leun hält sich für eine Führungskraft, die eigene Fehler eingesteht. Für den Handballtrainer ist das ein Muss.

 

Nur wenige Stunden zuvor hatte Fußball-Legende Ewald Lienen beim Immobilien-Frühstück der Haspa in Harburg die Gemeinsamkeiten zwischen Unternehmern und Führungskräften im Fußball erörtert. Lienen hält die Konsequenz, Empathie, Demut, Respekt und Bescheidenheit für elementare Eigenschaften.

Ergebnisse liefern

Der Wohlfühlcharakter sei wichtig und das Erkennen der unterschiedlichen Charaktere, sagen Leun und Leuchtenberger. Gibt es Kollegen oder Sportler, die glücklich sind, wenn sie immer das gleiche machen, das aber zuverlässig und effizient erledigen? Oder benötigen sie Perspektiven und wollen sich entwickeln? Außerdem „lechzen die Menschen danach, gelobt zu werden“, sagt Dirk Leun.

 

Grundsätzlich reduziert sich die größte Gemeinsamkeit zwischen Sportlern und Unternehmern auf einen Satz: Sie müssen Ergebnisse liefern.

 

Quelle: www.tageblatt.de / TAGEBLATT vom 8. Februar 2019 von Daniel Berlin

Fotos: Daniel Berlin