„Manchmal würde ich mir wünschen, dass bestimmte Dinge schneller gingen“

Wie lange Prior den BSV noch managt, weiß er nicht. Er möchte den Verein vorher finanziell auf sichere Beine stellen. Foto: Iso Jürgens
BUXTEHUDE. Im TAGEBLATT-Interview spricht der Manager des Handball-Bundesligisten Buxtehuder SV, Peter Prior, unter anderem darüber, warum er trotz des feststehenden Abrisses der Halle Nord und einem geplanten Hallen-Neubau nur mit gedämpfter Euphorie in die Zukunft blickt.

 

Peter Prior müsste eigentlich am Ziel seiner Träume sein. Die Halle Nord in Buxtehude wird abgerissen und an einem anderen Ort neu gebaut. Jahrelang hat sich der Manager des Handball-Bundesligisten Buxtehuder SV das gewünscht. Die Euphorie aber ist gedämpft. Warum, das erklärt Prior im Interview, genau wie die Anforderungen an die neue Spielstätte, die sportliche Lage und seine Zukunft.

 

TAGEBLATT: Herr Prior, ist es eigentlich gut, dass der BSV angesichts der aktuellen sportlichen Lage noch nicht in einer neuen Halle spielt?

Peter Prior: Nein. Wir hätten die neue Halle lieber heute als morgen. Eine vernünftige Sportstätte würde uns sehr helfen. Wir hätten keine Begrenzung der Kapazität auf 1300 Zuschauer (durch die Brandschutzauflagen; Anm. d. Red.). Für unser Heimspiel am 30. Dezember hätten wir erheblich mehr Sitzplatzkarten verkaufen können. Darauf müssen wir aber verzichten. Das schmerzt.

 

In dieser Saison hat sich der Zustand der Halle Nord besonders bemerkbar gemacht. Bei einem A-Jugendspiel haben Sie selbst Regenwasser vom Spielfeld gewischt, es wurde dann wiederholt. Wie dramatisch ist der Zustand?

Es gibt öfter Probleme. Gerade hatten wir einen längeren Heizungsausfall, das ist jetzt behoben. Vor allem aber ist das Dach marode. Bei Regen blickt man stets bange nach oben und hofft, dass nichts durchkommt. Ich bin immer froh, wenn Bundesligaspieltag ist und es nicht regnet.

 

Nun hat der Rat der Stadt Buxtehude entschieden, die alte Halle Nord abzureißen und an einem anderen Standort auf dem Gelände der IGS neu aufzubauen. Das muss doch für Riesenjubel in der Handball-Geschäftsstelle gesorgt haben?

Die Entscheidung ist auf jeden Fall positiv. Wir freuen uns, dass man jetzt dem Rat der Architekten folgt, die Sanierung der Halle Nord ad acta zu legen, und sich für einen Neubau entschieden hat. Das haben wir seit Jahren befürwortet.

 

Aber…

Man hat im Laufe der Jahre natürlich Zeit verloren. Die Halle Nord ist dabei auch nicht besser geworden. Wir wollen hoffen, dass die alte Halle noch durchhält, bis ein Neubau steht. Noch können wir nicht überblicken, was für eine Halle gebaut wird und wann. Zunächst soll der Bebauungsplan noch geändert werden. Das sind Dinge, die noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Wir müssen erst mal davon ausgehen, dass wir noch mindestens zwei Jahre in der Halle Nord spielen werden.

 

Wird das Vereinssportzentrum kommen?

Das kann ich schwer einschätzen. Man muss erstmal sehen, welche Lösungen die Architekten und Planer für dieses Gelände finden, wo die Halle und das Vereinssportzentrum untergebracht werden können.

 

Es gibt noch viele Fragezeichen. Wie aber müsste die Halle ausgestattet sein, damit der BSV darin Bundesliga-Handball spielen könnte?

Wir müssen davon ausgehen, dass die HBF (der Ligaverband Handball Bundesliga Frauen) im nächsten Jahr beschließt, dass frühestens ab 2023 wohl nur noch Hallen für die 1. Liga zugelassen sind, die ein vernünftiges Bild für Internet- und Fernsehübertragungen liefern. Konkret heißt das: Tribünen auf beiden Seiten des Spielfeldes und möglichst ein reiner Handball-Boden ohne andere störende Markierungen. Die HBF folgt in diesem Bereich der Volleyball-Bundesliga, die diese Prozesse schon sehr weit vorangetrieben hat und einen deutlich besseren Stand hat als der Frauen-Handball, was die Vermarktung der Spiele anbelangt.

 

Kann eine neue Halle ein Anreiz für neue Zuschauer und Sponsoren sein, sich beim BSV einzubringen?

Auf jeden Fall. Man hat vielerorts in Deutschland gesehen: In eine neue, tolle Sportstätte kommen mehr Zuschauer. Der Komfort ist einfach größer. Auf Sitzschalen sitzt man besser als auf einer Bank. Fürs Catering braucht man mehr Platz als im heutigen Foyer, damit die Zuschauer eine Chance haben, sich in der Halbzeit ein Getränk zu holen. Zu einer modernen Spielstätte gehören auch LED-Wände und vernünftige Lautsprecher. Das ganze Erlebnis eines Spiels macht in einer solchen Halle einfach mehr Spaß.

 

Ist es jetzt schon schwierig, die Zuschauer bei der Stange zu halten?

Das empfinde ich nicht so. Wir haben ein sehr treues Publikum, haben erneut über 750 Dauerkarten verkauft und stehen in der Zuschauertabelle ganz oben. Wir sind stolz darauf, dass nicht gerade wenige Zuschauer und Sponsoren seit 30 Jahren dabei sind und diese Kontinuität mit uns leben. Dennoch haben wir wie auch andere Vereine in der Liga keine steigenden Zuschauer-Zahlen. Daher müssen wir zusehen, dass wir das Produkt Frauen-Handball attraktiver machen.

 

Anscheinend auch für Sponsoren. Vor einiger Zeit haben Sie damit begonnen, gezielt Unternehmen in Hamburg anzusprechen. Was ist daraus geworden?

Das ist eine längere Entwicklung. Wir setzen das Projekt mit unserem neuen Marketingleiter Stefan Eickelmann fort und sind daher in Harburg weiterhin unterwegs, zum Beispiel auf Veranstaltungen wie „Wir im Süden“ oder als Mitglied im Wirtschaftsverein in Harburg. Dadurch versuchen wir, Kontakte zu knüpfen und Sponsoren zu gewinnen. Da gibt es die ersten kleinen Erfolge. Aber es ist nicht ganz so einfach, weil die Idee der Metropolregion nicht überall gelebt wird. In vielen Köpfen ist die Landesgrenze immer noch ein Hindernis.

 

Wie sieht es in Richtung Stade aus? Immerhin haben Sie in diesem Jahr die Hanseatische Immobilien Treuhand als Trikotsponsoren gewinnen können und damit ein Unternehmen aus Stade.

In dieser Richtung sind wir genauso aktiv. Wir glauben, dass wir eine wirkliche Strahlkraft über Buxtehude hinaus haben.

 

Konkret einmal: Wie haben Sie den neuen Trikotsponsor gewinnen können?

Die Hanseatische Immobilien Treuhand ist ein unglaublich erfolgreiches Immobilien-Unternehmen, das in Ballungszentren wie Hamburg und Berlin aktiv ist. In Stade selbst war es fast im Verborgenen tätig, selbst viele Stader kannten das Unternehmen nicht. Jetzt will sich das Unternehmen ein bisschen anders aufstellen, bekannter werden. Jetzt merken immer mehr Menschen in der Region, dass es dieses Unternehmen gibt. Sonst würden wir darüber jetzt auch nicht sprechen.

 

Einmal weg vom Geschäftlichen. Nach dem Sieg am Donnerstag in Göppingen ist der BSV von Platz neun auf sieben geklettert, hat etwas Abstand zu den Abstiegsrängen gewonnen. Haben Sie sich den Saisonverlauf bisher so vorgestellt?

Wir haben uns das sicherlich etwas besser vorgestellt. Mit 5:9 Punkten zur EM-Pause standen wir deutlich schlechter da als vor einem Jahr. Damals waren es 10:2 Punkte. Aber: Da war der Spielplan auch ein anderer. Vergleicht man, wie die Spiele gegen dieselben Gegner in der Vorsaison ausgegangen sind, fehlen uns aktuell zwei Punkte. Und der Sieg in Göppingen gibt uns hoffentlich Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben.

 

Zahlen lassen sich unterschiedlich auslegen.

Ganz genau. Wir können auch keinesfalls davon ausgehen, dass wir in den weiteren Spielen genauso abschneiden wie in der letzten Saison. Folglich gibt es für uns jetzt nur noch ein Ziel: so schnell wie möglich Punkte einfahren, um uns ins gesicherte Mittelfeld abzusetzen.

 

Also gibt es noch keine Anzeichen von Unruhe?

Nein. Aber die Stimmung war in der EM-Pause zunächst nicht gut. Es ist immer unglücklich, wenn man mit einem negativen Erlebnis wie dem Unentschieden gegen Schlusslicht Halle in eine längere Pause geht. Dieses negative Bild nehmen nicht nur Zuschauer und Sponsoren mit, das bedrückt auch die Spielerinnen zunächst in jeder Trainingseinheit. Aber wir haben auch einige Gespräche gemeinsam mit Trainer, Mannschaftsrat und den übrigen Spielerinnen geführt und versucht zu ergründen, warum es nicht so gut gelaufen ist und was wir in Zukunft besser machen müssen.

 

Was sind die Gründe für die aktuelle sportliche Lage?

Wir haben eine gesunde Mischung von jungen und älteren Spielerinnen. Wir haben eine erfahrene erste Sieben und dahinter sehr talentierte Spielerinnen mit Perspektive, von denen einige auf jeden Fall positiv überrascht haben. Soweit gut. In manchen Spielen aber haben die erfahrenen Spielerinnen nicht das geliefert, was man von ihnen erwartet, zum Teil auch bedingt durch Verletzungen. Wir sind jetzt aber alle zuversichtlich, dass wir nach der EM-Pause bessere Leistungen liefern werden als zuletzt.

 

Was könnte der bisherige Saisonverlauf für die Personalpolitik des BSV bedeuten? Eine Kehrtwende, das Portemonnaie weiter zu öffnen, um erfahrene Spielerinnen zu verpflichten?

Wir machen uns Gedanken. Es kann sein, dass man eine erfahrene Spielerin mit Führungspersönlichkeit holt, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Grundsätzlich aber werden wir den Weg mit den jungen Spielerinnen weitergehen, so wie wir es in den letzten Jahren erfolgreich gemacht haben. Wir wissen, dass wir jetzt schon hochveranlagte Talente in unseren Jugendmannschaften haben, die einmal den Sprung in die Bundesliga-Mannschaft schaffen können. Von daher müssen wir uns gar nicht so sehr nach neuen Spielerinnen umsehen, zumal eine ganze Reihe von Spielerinnen noch Vertrag über die Saison hinaus hat.

 

Schmerzt es, dass der BSV keine Rolle bei der EM in Frankreich gespielt hat, dass Ex-Spielerin Emily Bölk fast ins Allstar-Team gewählt worden wäre?

Es war tatsächlich das erste sportliche Großereignis seit vielen Jahren ohne eine Spielerin des BSV. Allerdings: Maike Schirmer hätte man sehr gut mitnehmen können, sie war nicht weit davon entfernt. Zu Emmy Bölk muss ich sagen, dass es richtig war, den BSV zu verlassen und nach all den Jahren eine neue Herausforderung zu suchen. Sie bekommt neue Impulse beim Thüringer HC und wird in der Champions League anders gefordert. Natürlich hat man bei der EM viele Spielerinnen gesehen, die man gerne in der Mannschaft hätte. Wir müssen aber sehen, dass wir hier nicht der Nabel der Welt sind. Wir sind nicht der Verein, der in europäischen Wettbewerben vorne mitspielen kann. Wir wollen Talente sehr gut ausbilden und uns in der Bundesliga bestmöglich verkaufen.

 

Wird sich am finanziellen Sparkurs etwas ändern?

Wir haben die Personalkosten in den letzten Jahren reduziert, und da wird es auch keine Kehrtwende geben. Wir müssen zusehen, dass wir keine Verluste mehr machen, sondern ausgeglichene Ergebnisse erzielen, was uns in der Vergangenheit leider nicht gelungen ist, sodass Gesellschafter das Minus ausgleichen mussten. Das ist ein Geschäftsmodell, das auf Dauer nicht funktionieren kann. Und – toi, toi, toi – sieht es so aus, dass wir für die laufende Saison ein ausgeglichenes Ergebnis erreichen.

 

Jahr für Jahr beschäftigen Sie sich mit solchen Sorgen. Ist das nicht ermüdend?

Puh (atmet aus). Es ist nicht einfach und verlangt von allen Kräften der Handball-Marketing ein hohes Arbeitspensum und große Ausdauer. Manchmal würde ich mir wünschen, dass bestimmte Dinge schneller gingen, wie mit der Halle. Ab 2010 haben wir viel Zeit und Energie in die Arena-Pläne an der Apensener Straße investiert. Diese private Initiative hat das Projekt im November 2013 ad acta gelegt. Nach diesen fünf Jahren steht jetzt endlich die Entscheidung: Es soll eine neue Halle geben. Mal sehen, wie schnell es weitergeht.

 

Wie lange können Sie sich vorstellen, Manager des BSV zu bleiben?

Das weiß ich nicht. Das Wichtigste ist, dieses Unternehmen in einen solchen Zustand zu bringen, dass man es gut an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger übergeben kann. Wir arbeiten intensiv daran, dauerhaft ausgeglichene Ergebnisse zu erzielen. Wann dann die Übergabe erfolgt, ist eine andere Frage.

 

Und wer könnte Ihr Nachfolger werden?

Das schauen wir dann.

 

Quelle: TAGEBLATT vom 29. Dezember 2018

Autor: Tim Scholz

Foto: Iso Jürgens