BSV misslingt Generalprobe – 17:22-Niederlage in Dortmund

BUXTEHUDE. Die Handballerinnen des Buxtehuder SV haben drei Tage vor dem Pokalderby gegen Rosengarten mit 17:22 bei Borussia Dortmund verloren. Außenspielerin Lone Fischer fehlte dem BSV, der in diesem Bundesligaspiel nicht nur an sich selbst scheiterte.

 

Clara Woltering wollte die Revanche. Vor zwei Monaten erwischte die Dortmunder Torfrau einen schlechten Tag, sah die Rote Karte und musste mit ansehen, wie der BSV den Einzug ins Pokalviertelfinale feierte. Gestern Abend jedoch war Woltering wieder Weltklasse. Die Nationaltorhüterin parierte rund 20 Buxtehuder Würfe, vor allem die flachen und halbhohen, und ebnete ihrer Mannschaft den Weg zum Bundesligasieg über den BSV. Zum dritten Mal in Folge hielt die Borussia dabei einen Gegner unter 20 Toren.
Woltering macht den Unterschied

„Der klare Unterschied war Clara Woltering“, sagte Dirk Leun, „wir haben sie stark geworfen.“ Einerseits. Andererseits machte der Buxtehuder Trainer die „unterirdisch schlechte“ Wurfquote seiner Mannschaft als Grund für die dritte Niederlage in der laufenden Saison aus. Die Quote, schätzt Leun, liege allenfalls bei zehn Prozent. Emily Bölk, Friederike Gubernatis, Jessica Oldenburg – reihenweise ließen die Buxtehuder Rückraum-schützinnen Tormöglichkeiten liegen.

 

Lone Fischer musste das Spiel aus der Ferne verfolgen. Die Linksaußenspielerin hatte sich im Training zwei Bänder im Fuß gerissen und muss voraussichtlich zehn Tage pausieren. Damit war Michelle Goos nach dem Ausfall von Lena Zelmel und Lone Fischer die einzige etatmäßige Linksaußen in Dortmund. Leun sprach von einem „Verlust“, weil Fischer momentan eine der effektivsten Spielerinnen des BSV sei. „Lones Ausfall darf aber keine Entschuldigung für die Niederlage sein“, findet der Coach, „dafür haben wir viel zu schlecht gespielt.“

 

Der BSV, der bis zum 8:7 (21. Minute) noch in Führung lag, verlor in dieser Phase die Kontrolle über das Spiel. „Uns hat die Geduld gefehlt, für eine bessere Torausbeute zu sorgen“, sagte Leun. Er monierte vor allem die unvorbereiteten, frühen Abschlüsse aus dem Rückraum. Allein Jessica Oldenburg vergab innerhalb von zwei Minuten gleich drei Chancen, der BVB baute seinen Vorsprung bis zur Pause auf 11:8 aus.
BVB packt weiter aggressiv zu.

 

Leun sprach dieses Problem in der Halbzeitpause an, doch das Buxtehuder Angriffsspiel besserte sich keineswegs. Weder im Wurfverhalten noch in den Zweikämpfen oder im Zusammenspiel mit der Mitte. Der BVB lag nach 49 Minuten zum ersten Mal mit fünf Toren in Führung (18:13) und packte hinten unverändert aggressiv zu.

 

Auch taktisch fand Trainer Leun keine Lösung, die Besserung versprach. Er stellte seine Abwehr offensiver ein, um Gegenstöße zu ermöglichen – ohne Erfolg. Er spielte mit drei Werferinnen – ebenfalls ohne Erfolg. Er stellte Spielmacherin Lynn Knippenborg im zweiten Durchgang auf Linksaußen auf und setzte Lisa Prior als Spielmacherin ein – sie machte es ordentlich, auch wenn ihre Torgefahr gleich null war. „Ich kann mir nicht vorwerfen, irgendetwas nicht probiert zu haben“, sagte Leun.

 

Lisa Prior erzielte dennoch fünf Treffer. Nachdem Friederike Gubernatis und Emily Bölk jeweils einmal von der Siebenmeterlinie an Clara Woltering gescheitert waren, war Prior fünf Mal per Strafwurf erfolgreich. Es war einer der wenigen positiven Aspekte im Buxtehuder Spiel, neben den starken Paraden von Antje Lenz in der Anfangsphase. Der BSV bleibt vorübergehend Tabellenvierter.

 

„Wir müssen uns jetzt schleunigst mit unseren Fehlern befassen“, sagte Dirk Leun. Zwei Tage haben er und seine Mannschaft noch Zeit, dann steht schon das Derby im Viertelfinale des DHB-Pokals an. Am Mittwoch um 19.30 Uhr trifft der BSV in der Halle Nord auf den Zweitligisten SGH Rosengarten-Buchholz. „Wir alle wissen, was dann auf dem Spiel steht“, so Leun. Es geht um den Einzug in die Finalrunde.

 

Die Statistik

 

Buxtehuder SV: Lenz, Gronemann; Meyer 2, Gubernatis 2, Knippenborg 3, Schirmer, Oldenburg 1, Bölk 3/1, Goos, Kaiser, Hayn 1, Prior 5/5.

Dortmund: Woltering, Ferenczi; Kramer, Grijseels 3, Weisheitel1, Zimmermann, Müller 3, Traumüller, Ettaqi, van Kreij 2, Huber 2/1, Salberg, Brandt, Emberovics 4, Vaszari 7.

Spielfilm aus Sicht des Buxtehuder SV: 2:2 (7. Minute), 4:2 (15.), 6:6 (20.), 8:9 (26.), 8:11 (Halbzeit), 10:12 (35.), 12:14 (40.), 13:16 (45.), 15:19 (53.), 17:22 (Endstand).

 

Siebenmeter: BSV 8/6 (Prior 5/5, Bölk 2/1, Gubernatis 1/0) – BVB 2/1 (Huber 2/1).

Zeitstrafen: BSV 2 (Gubernatis, Bölk) – BVB 3 (Müller, Emberovics, Vaszari).

 

Schiedsrichter: Michael Kilp und Christoph Maier

Zuschauer: 805

 

Nächstes Spiel: SGH Rosengarten-Buchholz – BSV (DHB-Pokal, Mittwoch, 11. Januar, 19.30 Uhr).

 

Quelle: TAGEBLATT (Tim Scholz) vom 09.01.2017