Vor dem Pokal-Viertelfinale: BSV und SGH – Eine besondere Verbindung

BUXTEHUDE. Gut zwei Dutzend Aktive, die für den BSV und den SGH Rosengarten im Einsatz waren, zählt die Wechselstatistik. Das macht das Derby pikant, in dem es am nächsten Mittwoch um den Einzug in die Finalrunde im DHB-Pokal geht.

 

Sie waren einfach plötzlich da. Vor knapp 15 Jahren, quasi über Nacht, gab es eine neue hochklassige Handball-Mannschaft in Niedersachsen, deren „Macher“ von Anfang an das Wort Bundesliga in den Mund nahmen. Die SG Handball Rosengarten hatte sich für die Pläne im Jahr 2001 ein Frauen-Team aus Hamburg geangelt. „Wir hatten als SG Harburg den Aufstieg in die Zweite Bundesliga geschafft, aber es scheiterte an einer Bürgschaft von, ich glaube, 3000 Mark“, erinnert sich Harburgs damaliger Trainer Gerd Lawrenz heute. Er geht am Ende den Schritt, wechselt mit dem kompletten Team nach Nenndorf in den Kreis Harburg.

 

Den Zweitligaplatz darf die Mannschaft aus der Spielgemeinschaft von FSV, Grün-Weiss und TuS Harburg überraschend nicht mitnehmen. Das führt bei den Spielerinnen, die zum größten Teil zehn Jahre erfolgreich in der „Kersche“ – der Harburger Halle Kerschensteinerstraße – Regionalliga gespielt haben, erst zu großer Enttäuschung, dann zu einem „jetzt erst recht“. Ungeschlagen wird die Mannschaft in der ersten Saison als SGH Rosengarten Meister in der dritthöchsten Spielklasse, schafft souverän zum zweiten Mal in Folge die Qualifikation für die 2. Liga. Das SGH-Management damals besteht aus den Mitgliedern einer engagierten Familie, genauer gesagt dem Ehepaar Ilona und Hannes Heinzelmann, deren beide Töchter auch in der ersten Mannschaft spielen werden.

 

Das erste Zweitligajahr der Retortenmannschaft mit einem weiteren Team im Verein, das drei Klassen tiefer spielt, wird zum Übungsjahr. Gerd Lawrenz erinnert sich, dass es nur ganz wenige Verstärkungen gab. Dabei, die erste Spielerin von vielen, die vom Erstligisten Buxtehuder SV nach Rosengarten wechselte: Nicole Krischke.

 

Nach einem halben Jahr in der 2. Bundesliga trennen sich Trainer und Verein. Am Ende steigt das Team nur nicht ab, weil zwei Vereine finanziell die Klasse nicht halten können. Doch eine weitere Saison geht dieses Projekt nicht gut. Die SGH kann schließlich zwei Joker angeln, die maßgeblich für den weiteren Werdegang des heutigen Zweitligisten werden: BSV-Rekordspielerin Melanie Schliecker und Torfrau Silke Christiansen wechseln 2006 vom Kreis Stade in den Kreis Harburg und holen weitere Erstligaspielerinnen wie Natascha Kotenko nach. „Das war eine Aufbauphase des Vereins“, erinnert sich Silke Christiansen. Sie wird Co-Trainerin neben Martin Hug. Melanie Schliecker bleibt aktive Spielerin. Sie wird auch das erste Erstligaderby der Geschichte zwischen SGH und BSV bestreiten. Das ist in der Saison 2010/11. Rosengarten muss für die Eliteliga von der Halle in Nenndorf in die Nordheidehalle nach Buchholz umziehen und erhält auch deshalb 2013 Verstärkung in der Spielgemeinschaft durch Blau-Weiss Buchholz. Der Name wird im Logo aufgenommen, das vom ersten Tag an einen Luchs zeigt – eine Hommage an den ersten Hauptsponsor, einen Wildpark.

 

„Es war schon komisch, plötzlich gegen den BSV zu spielen“, erinnert sich Melanie Schliecker, „aber beim Heimspiel ging das noch, das Spiel in der Halle Nord – das war etwas, wo es noch einmal richtig emotional wurde.“ Ganz ohne Handball geht es für Schliecker bis heute nicht. Die Förderschullehrerin wirft für den VfL Stade Tore.

 

Zwei kürzere Ausflüge in die 1. Liga haben die Rosengarten-Handballerinnen inzwischen geschafft. Der BSV gewann alle vier Spiele. Einmal stieg Rosengarten ausgerechnet mit der Partie gegen Buxtehude ab. Das alles könnte am Mittwoch, 11. Januar, 19.30 Uhr, nichts mehr wert sein, wenn der Zweitligist SGH Rosengarten/Buchholz dem Erstligisten Buxtehuder SV den Einzug ins „Final Four“, die Runde der besten Vier im Deutschen Handball-Pokal, versperrt – das ginge mit einem einzigen Sieg, in Buxtehude. Denn die Mannschaft von Trainer Steffen Birkner – lange Jugendkoordinator beim BSV – hat das Heimrecht abgetreten, damit möglichst alle Fans dabei sein können. 1400 Plätze statt 600 wie in Buchholz bietet die Halle Nord. Buxtehudes Manager Peter Prior, dessen Töchter Lisa und Paula zur langen Liste derer zählen, die vom BSV zur SGH gewechselt sind, teilweise mit Zweitspielrecht, freut sich über die Entwicklung des Handballsports in der gut 20 Kilometer entfernten Gemeinde Rosengarten und der Stadt Buchholz. „Als Manager wünscht man sich immer blühende Handballlandschaften rundherum“, sagt er. Die Stimmung beim Pokalderby wird richtig gut, tippt Prior.

 

Was die Trainer der beiden Mannschaften, Steffen Birkner und Dirk Leun, aus sportlicher Sicht dazu sagen, lesen Sie am Dienstag im TAGEBLATT.

 

Quelle: TAGEBLATT (Miriam Fehlbus) vom 07.01.2017