Lena Zelmel beendet mit 24 Jahren ihre Karriere

BUXTEHUDE. Lena Zelmel vom Handball-Bundesligisten Buxtehuder SV hat eine lange Leidenszeit hinter sich. Nach dem dritten Kreuzbandriss in ihrer noch jungen Karriere hat sich die 24-jährige Linksaußen jetzt entschieden, ihre Karriere zu beenden.

 

In einem Gespräch mit BSV-Mannschaftsarzt Dr. Wolfram Körner und den Physiotherapeuten des Vereins kam sie zu dem Schluss, dass es keinen Zweck mehr habe, noch einmal in den Leistungssport zurückzukehren. Zelmel erzielte für den BSV in 45 Bundesligaspielen 68 Tore.

 

Im Alter von 16 Jahren ereilte die Rechtshänderin zum ersten Mal die schwere Verletzung am Knie. Damals spielte sie in Trier und schwor sich, dass sie zwei Kreuzbandrisse in Kauf nehmen, bei einem dritten aber aufhören werde mit dem Handballspielen. „Dass ich mir das Kreuzband so früh zum dritten Mal reiße, hätte ich nicht erwartet“, sagt Zelmel. Vor ziemlich genau zwölf Monaten war Zelmel nach ihrer zweiten schweren Verletzung gerade wieder genesen und wollte in der Saisonvorbereitung richtig angreifen. Im Trainingslager in Dänemark kam der erneute Schock. In einem Testspiel riss sie sich das Band im rechten Knie. Auch der Meniskus wurde dabei in Mitleidenschaft gezogen.

 

Wieder Operation, wieder Schiene, wieder Krücken, wieder Rehabilitation. „Ich habe die Reha noch durchgezogen. Die Hoffnung stirbt ja zuletzt“, sagt Lena Zelmel. Aber das Karriereende habe sich bereits abgezeichnet. So richtig, sagt sie, habe sie nicht mehr an ein drittes Comeback geglaubt. „Für diese Entscheidung bringe ich sehr viel Respekt auf“, sagt BSV-Geschäftsführer Peter Prior. Prior sagt, er wisse, wie sehr die Spielerinnen an diesem Sport hingen. Solch ein früher Abschied falle nicht leicht. Aber er hält die Entscheidung, die Karriere zu beenden für „vernünftig“, weil Lena Zelmel noch ihr ganzes Leben vor sich habe und vielleicht auch mal mit ihren Kindern im Garten unbeschwert kicken wolle.

 

Bis vergangene Woche spulte Lena Zelmel noch das Reha-Programm ab, lief und ging schwimmen. Mit ihrer ehemaligen Mitspielerin und heutigen Fitnesstrainerin Randy Bülau trieb sie Sport. „Aber Sport mache ich nur noch für mich“, sagt Zelmel. Sie wolle das Knie nicht überlasten. Zu oft ist die 24-Jährige schon am Morgen nach einer zu heftigen Trainingseinheit mit Schmerzen aufgewacht. Warum es ausgerechnet sie getroffen habe, und warum andere Handballerinnen während ihrer gesamten Karriere von Kreuzbandrissen verschont bleiben, habe sie sich oft gefragt. „Aber Jammern hilft ja nichts“, sagt Zelmel.

 

Jetzt beginnt für Zelmel, die in Buxtehude seit drei Jahren in einer Reederei arbeitet, das Leben nach dem aktiven Leistungssport. „Im Moment geht es mir gut“, sagt sie. Zelmel genießt es, nicht jeden Abend in die Sporthalle gehen zu müssen und an Wochenenden das tun zu können, worauf sie Lust habe. „Aber es gibt auch Tage, an denen ich den Handball und die Mädels vermisse“, sagt sie. Sie fühle sich sehr wohl in Buxtehude. Langfristig sei geplant, mit ihrem Freund nach Hamburg zu ziehen. „Aber Hamburg ist ja nicht aus der Welt.“

 

Am Dienstag hat sie mit Peter Prior gesprochen. Der bot ihr an, Mitglied der BSV-Familie zu bleiben. Als Trainerin in der Jugend oder beim Stützpunkttraining für die jungen Talente, das Heike Axmann jeden Montagabend leitet. Entschieden sei noch nichts, sagt Lena Zelmel. „Ich wünsche mir immer, die Ehemaligen einzubinden“, erklärt Peter Prior.

 

Ihre offizielle Verabschiedung erhält Lena Zelmel bei einem der nächsten Heimspiele. Wahrscheinlich im Rahmen des Europapokalspiels gegen Vaci aus Ungarn am 14. Oktober.

 

Nächstes Spiel

 

Beim nächsten Bundesligaspiel trifft der BSV am Sonnabend, 16. September, 19 Uhr, auswärts auf die HSG Bad Wildungen Vipers.

 

Quelle: Tageblatt vom 13.09.2017 (Daniel Berlin)