Gubernatis führt DHB-Team zum zweiten WM-Sieg

LEIPZIG. Die deutsche Nationalmannschaft hat mit einer herausragenden Friederike Gubernatis vom BSV auch das zweite Spiel der Heim-WM gewonnen. Am Sonntagabend setzte sich die DHB-Auswahl mit 23:18 (11:10) gegen Südkorea durch. Bölk musste ihr WM-Debüt wieder verschieben.

 

Wieder Friederike Gubernatis. Wie beim Auftaktsieg gegen Kamerun (28:15) wurde die 29-jährige Rückraumspielerin vom Buxtehuder SV als Spielerin des Spiels ausgezeichnet. Gubernatis war mit sieben Toren die beste Werferin für die DHB-Auswahl. “Ich kann es immer noch nicht so richtig realisieren, wie gut es gerade läuft”, sagt sie, “ich freue mich, dass ich der Mannschaft damit helfen kann.”

 

BSV-Mitspielerin Emily Bölk hingegen blieb wegen einer Fußverletzung nur der Platz auf der Tribüne. „Sie wird alle Zeit der Welt bekommen. Sie ist eine ganz junge Spielerin, die wir schützen. Wir haben eine Verantwortung für ihren weiteren Karriereweg“, sagt Bundestrainer Michael Biegler. Denn nach dem WM-Aus von Kim Naidzinavicius, die sich gegen Kamerun einen Kreuzbandriss zuzog, wird Bölk noch dringender gebraucht.

 

Bölk: Verletzung ist “ganz, ganz bitter”

 

Bölk war zwei Tage vor WM-Beginn im Training mit dem Fuß umgeknickt, als sie beim Ballholen unglücklich auf die von einer Plane verdeckte Spielfeldumrandung trat. „Es sind eine Kapsel und ein Band kaputt“, sagt Bölk. „Dass so etwas im ersten WM-Training passiert, ist natürlich ganz, ganz bitter.“ Biegler holte vor dem Südkorea-Spiel die Blombergerin Alicia Stolle in den WM-Kader. Bölk äußerte dafür Verständnis: „Wenn ich zu früh einsteige und es passiert etwas, würden sich alle in den Hintern beißen.“

 

Vor 5794 Zuschauern in der Leipziger Arena kassierte das DHB-Team zu Beginn eine Reihe schneller und leichter Gegentore. Die Abwehr stand zu passiv, und Torhüterin Clara Woltering bekam keine Hand an den Ball. Südkorea, das tags zuvor Vizeweltmeister Niederlande mit 24:22 geschlagen hatte, führte nach sieben Minuten mit 5:3. Dann ließ sich auch noch Gubernatis austanzen – 6:3. Im Gegenzug aber machte es die Buxtehuderin mit zwei Treffern umso besser.

 

Der Bundestrainer reagierte auf diese Schwächephase mit personellen Wechseln. Das DHB-Team kam so besser in die Partie und zwang den Asienmeister durch aggressivere Abwehrarbeit zu Fehlwürfen. Gubernatis verkürzte den Rückstand auf 7:8 (16.). Im Angriff jedoch taten sich die „Ladies“ immer noch schwer. Trotz neunminütiger Torflaute Südkoreas lagen sie kurz vor der Pause in Rückstand. Erst nach zwei Toren durch Kreisläuferin Julia Behnke lag Deutschland zum ersten Mal in Führung (10:9, 27.).

 

Nach der Pause leistete sich die DHB-Auswahl eine Reihe von Fehlwürfen. Erst Gubernatis konnte das erste Ausrufezeichen auf deutscher Seite setzen: Mit einem Strahl aus halbrechter Position erzielte die Linkshänderin das 12:11 (36.). Angie Geschke, die den Vorzug vor BSV-Linksaußen Lone Fischer bekam, und Rechtsaußen Svenja Huber sorgten für die erste deutsche Zweitoreführung (14:12). Die überragende Kramarczyk im Tor sicherte den Vorsprung mit ihren Glanzparaden. Zwölf Minuten vor dem Ende lag Deutschland mit vier Toren in Führung (19:15). Durch den Sieg stehen die DHB-Frauen in der Gruppe D auf dem zweiten Platz und haben das Tor zum Achtelfinale weit aufgestoßen.

 

Selbstbewusst und cool: Friederike Gubernatis

 

Im Angriff fanden die Deutschen immer wieder Friederike Gubernatis, die wie gegen Kamerun extrem selbstbewusst und cool auftrat. Sieben ihrer neun Würfe landeten im gegnerischen Tor; sie provozierte Zeitstrafen und Siebenmeter. Am Ende freute sich die BSV-Spielerin erneut über die Auszeichnung zur Spielerin des Spiels. “Ich bin sehr, sehr, sehr glücklich”, sagt sie.

 

Bereits am Dienstag (18 Uhr/live auf „Sport1“) trifft die deutsche Nationalmannschaft im dritten Vorrundenspiel auf den Gruppenersten Serbien. Spätestens dann soll es für Emily Bölk soweit sein: „Mein Fuß regeneriert super und ist zum großen Teil wieder abgeschwollen.“

 

Quelle: Tageblatt (Scholz) vom 03.12.2017