Tag des Handballs: Ein Vorgeschmack auf die Heim-WM

HAMBURG. Die deutsche Handball-Nationalmannschaft um die Buxtehuderinnen Emily Bölk und Lone Fischer hat am Tag des Handballs in Hamburg eine 23:24-Niederlage gegen Schweden erlitten. Eine alte Bekannte hatte der DHB-Auswahl einen Strich durch die Rechnung gemacht.

 

Nach Ablauf der ersten 30 Spielminuten waren alle 10 500 Augenpaare in der Hamburger Arena auf Emily Bölk gerichtet. Die Buxtehuderin stand vor einer Wand bestehend aus sechs schwedischen Handballerinnen und deren in die Höhe gestreckten Arme. Direkter Freiwurf. Meistens fliegen diese Würfe übers Tor oder prallen an einem Arm ab. Bölk schaffte es jedoch, den Ball an das linke Lattenkreuz zu hämmern. Ein langgezogenes „Oh“ raunte durch die Arena.

 

„Für uns“, sagte Bölk nach dem Spiel, „ist es sehr wichtig, vor so einer großen Kulisse zu spielen.“ Die „Ladies“ von Bundestrainer Michael Biegler wollen vorbereitet sein. Denn im Dezember steigt die Weltmeisterschaft im eigenen Land. Und ausgerechnet in Hamburg findet die Finalrunde statt. Zunächst aber musste sich die DHB-Auswahl dort nur 21 Stunden nach der 28:33-Niederlage in Göteborg erneut mit 23:24 geschlagen geben.

 

Unglückliche Niederlage

 

Es war eine unglückliche Niederlage. Denn die deutschen Handballerinnen präsentierten sich über weite Strecken des Spiels in besserer Verfassung als am Vortag. So führten sie zu Beginn des zweiten Durchgangs bereits mit sieben Toren – es sah nach einem klaren Erfolg aus. Doch dann unterliefen den Deutschen zunehmend Fehler in der Abwehr, und vorne vergaben sie klare Torchancen. „Wir haben zu viele leichte Fehler gemacht und waren zu unachtsam in der Abwehr“, sagte Bölk.

 

Die 18-jährige Buxtehuderin kam nach 23 Minuten auf die Platte und sorgte kurz vor ihrem Latten-Kracher für den 15:9-Pausenstand. Auch danach setzte Biegler, der durch zahlreiche Wechsel keine Ruhe ins Team brachte, weiterhin auf Bölk. Ihre frühere Mitspielerin Isabell Klein bereitete die Treffer Nummer zwei und drei nach identischem Muster vor. Hinzu kamen einige gelungene Aktionen in der Abwehr, einige Wackler im Angriff, also ein durchwachsener Auftritt Bölks. „Wir Spielerinnen sind hier, um zu lernen und voranzukommen“, sagt die Rückraumspielerin, „jetzt müssen wir das Positive mitnehmen.“

 

Emily Bölk und Lone Fischer versuchen, ihre ehemalige Mitspielerin Ulrika Toft Hansen zu stoppen

Die andere Buxtehuderin, Lone Fischer, kam in der zweiten Halbzeit zum Zug und erzielte einen Treffer. Ein weiterer blieb ihr verwehrt, nachdem die Schwedinnen kurz vor dem Ende mit 24:23 in Führung gegangenen waren. Fischer war an der gegnerischen Torhüterin gescheitert. Die Niederlage war somit besiegelt. Unterstützt wurde die DHB-Auswahl und insbesondere das BSV-Duo Bölk/Fischer, das nicht nach Göteborg mitgereist war, von 300 Fans aus Buxtehude, die hinter dem Tor für Stimmung sorgten. Jörg Neumann, der für die Ansagen bei den BSV-Heimspielen zuständig ist, gehörte zum Hallensprecher-Team beim Tag des Handballs.

 

Ulrika Toft Hansen, die in Buxtehude noch unter ihrem Mädchennamen Ågren spielte, war eine der entscheidenden Akteurinnen bei Schwedens Aufholjagd. Nach der Pause erzielte die Kreisläuferin vier Treffer, darunter das Tor zum Endstand, und gehörte damit neben Weltstar Isabelle Gulldén zu den besten Werferinnen ihrer Mannschaft. Toft Hansen erklärte, dass sie vor allem durch ihr „blindes“ Zusammenspiel mit Gulldén profitiert habe. Toft Hansens Ehemann Henrik, Olympia-Goldmedaillengewinner mit Dänemark, und ihr 15 Monate alter Sohn Oliver Oscar schauten beim Spiel der Mama in der Hamburger Arena zu. Nach der Partie bat die andere Ex-Buxtehuderin, Isabell Klein, Toft Hansen, Lone Fischer und Emily Bölk zum Selfie.

 

Bundestrainer Michael Biegler sprach von einer schmerzhaften und ärgerlichen, aber gerechtfertigten Niederlage. „Was wir in den ersten 40 Minuten gut gemacht haben, müssen wir ein ganzes Spiel lang schaffen, sonst scheitern wir an so starken Gegnern“, sagte Biegler und ergänzte: „Aber die Ladies sind fokussiert, sich im besten Bild bei der WM zu präsentieren. Sie sollen die Bilder des heutigen Tages mitnehmen, gerade die vollbesetzte Halle.“ Bölk sprach von einem großen Erlebnis, das sie nie vergessen werden – trotz der Niederlage. „Man sagt ja immer: Wenn die Generalprobe schief läuft, dann gelingt meistens die Aufführung.“ Die Heim-WM wirft ihre Schatten voraus.

 

Deutschland: Kramarczyk, Woltering; Klein, Schmelzer, A. Müller, Loerper, Smits 4, Behnke 1, Kramer, Naidzinavicius 5, Hubinger 1, Bölk 3, Huber 4, Fischer 1, Geschke 3, Wohlbold 1, Stolle.

 

Drei Fragen an…Joshua Thiele

 

Neben Lone Fischer und Emily Bölk hat ein weiterer Buxtehuder beim Tag des Handballs erfolgreich mitgemischt. Jugendnationalspieler Joshua Thiele feierte mit der deutschen U 19-Auswahl einen 34:22-Sieg gegen Israel. „Es war ungewohnt für mich, mit der Mannschaft in dieser Konstellation zusammenzuspielen, aber es lief mit der Zeit immer besser“, sagte Thiele nach seinem vierten Länderspiel. Der Kreisläufer kam 30 Minuten zum Einsatz und erzielte einen Treffer. Die Kulisse von gut 8000 Zuschauern bezeichnete Thiele als „imposant“. Der Handballer spielt in der A-Jugend des Bundesligisten Hannover-Burgdorf. Bundestrainer Jochen Beppler sagte, dass Joshua Thiele zu den Spielern gehöre, die eine berechtigte Chance auf eine Nominierung für die U 19-Weltmeisterschaft im Sommer hätten. „Wir werden seine Leistungen in Hannover weiter verfolgen.“

 

Knippenborg und Goos gegen Island erfolgreich

 

Die beiden niederländischen Nationalspielerinnen des BSV hingegen haben mit der niederländischen Nationalmannschaft zwei Testspielsiege gegen Island eingefahren.

In den heimischen Hallen in Almere und Emmen gab es einen 23:20- sowie 38:18-Erfolg. Goos erzielte insgesamt vier Treffer, Knippenborg traf dreimal.

 

QUELLE: Tageblatt (Tim Scholz) vom 19.03.2017          Fotos: Hans Kall