Ehemalige BSV-Spielerinnen: Was macht eigentlich Anja Reiner?

Seit nun schon mehreren Jahren wandelt Reporter Hans Kall bereits auf den Spuren ehemaliger BSV-Spielerinnen, fleißige Hallenheftleser wissen das bereits. Wie in der vergangen Saison begonnen sollen diese tollen Berichte auch den Weg auf bsv-live finden. Heute der Bericht aus dem Hallenheft zum Spiel gegen den HC Rödertal – Was macht eigentlich Anja Reiner?

 

Warum wieder weggehen? Für Anja Reiner bestand gar kein Grund, sich Gedanken zu machen, ihre Wahlheimat Buxtehude zu verlassen. Sie fühlte sich wohl in der kleinen Stadt an der Este, lebte in einer Eigentumswohnung und hatte bei ihrem Arbeitgeber, der Bilfinger Rotring Engineering GmbH, als Projekt- und Sales-Managerin beruflich ihr Glück gefunden. Vom Handballsport als Bundesligatorhüterin beim Buxtehuder SV hatte sie sich längst abgewandt, nach einem Kreuzbandriss beendete sie ihre Karriere.

 

Und trotzdem kehrte Anja Reiner in ihre alte Heimat nach Moers zurück. Bei der Hochzeit einer Freundin lernte die gebürtige Kölnerin ihren heutigen Mann Daniel Schunk kennen, mit dem sie inzwischen verheiratet ist. Seit zwei Jahren lebt Anja Schunk wieder in Nordrhein-Westfalen, arbeitet dort bei PwC Deutschland im Management Consulting (Wirt­schaftsprüfungsgesellschaft). Mitte Ok­tober erwartet die kleine Familie, zu der auch Mixed-Hündin Roxy (7) gehört, Nachwuchs. „Zu 80 Prozent wird es ein Mädchen“, freut sich Anja Schunk auf ihr erstes Kind.

 

Anja Schunk (geb. Reiner) mit Ehemann Daniel und Mixed-Hündin Roxy.

 

Der Kontakt nach Buxtehude ist nie abgerissen. Erst jetzt besuchte die werdende Mutter ihre früheren Nachbarn. „Die Kinder Erik und Sophie wollten unbedingt Roxy wiedersehen, den sie ins Herz geschlossen haben und vermissen“, sagt Anja Schunk. Eigentlich wollte die Familie Dahlke in den Herbstferien nach Moers kommen. „Das wäre aber zu viel Stress, weil die Geburt bevorsteht“, sagt Anja Schunk, die die Buxtehude-Visite auch gleich zu einem Besuch ihrer früheren Mitarbeiter bei Rotring Engineering nutzte. Sie brachte traditionell Kuchen mit und klönte über alte Zeiten. Das Unternehmen mit ihrem Mentor Sven Dohse ist ein Teil ihrer Familie geworden.

 

Vom Handballsport hat sich Anja Schunk verabschiedet. Die frühere Torhüterin wechselte nach sechs Jahren beim BVB Borussia Dortmund zum BSV, hatte hier aber wenig Freude an ihrem Sport. Der BSV kämpfte 2006/2007 gegen den Abstieg, auf Trainerin Heike Axmann folgte Wolfgang Pötzsch, der im letzten Saisonspiel den Klassenerhalt schaffte. Im letzten Trainingsspiel der Saison gegen die Juniorinnen-Weltmeister von Dä­nemark zog sich Anja Reiner in Zeven 13 Sekunden vor Spielende einen Kreuzbandriss zu. Das Aus ihrer Handball-Karriere.

 

Schon mit 16 Jahren stand Anja Reiner beim TuS Lintfort in der Regionalliga zwischen den Pfosten, mit dem PSV Recklinghausen stieg sie in die 2. Bundesliga auf, ehe sie 2001 zum Erstligisten Dortmund wechselte. Einer ihrer größten sportlichen Erfolge ist die Europameisterschaft als Beachhandballerin. Zusammen mit Isabell Klein (damals noch Nagel) und Stefanie Melbeck holte Anja Reiner in Cuxhaven den Titel.

 

Kontakt zum heutigen BSV gibt es kaum, mit ehemaligen Dortmunder Spielerinnen wie Melanie Lorenz wird gelegentlich kommuniziert. Anja Schunk hat ihre sportlichen Ambitionen gewechselt. „Ich mache heute Indoor-Cycling und fahre Rennrad“, sagt sie, „durch Radfahren bin ich fit und das Knie ist wieder alltagstauglich geworden.“ Die Ex-Torhüterin überlegt, mit dem Tennis anzufangen, dann kann sie mit ihrem Mann Daniel spielen, der beruflich als Chemiker arbeitet. Und auch ein bisschen „streiten“, ob der Nachwuchs später Tennis oder Handball spielt.