Deutschland schlägt auch EM-Gastgeber Schweden, verpasst aber das Halbfinale

Die deutschen Handballerinnen haben die Hauptrunde ungeschlagen beendet und schon jetzt ihre beste EM-Platzierung seit 2008 erreicht. Trotz des Erfolgs über die Gastgeberinnen reichte es aber nicht für das Halbfinale, weil Frankreich sein letztes Hauptrunden-Spiel gegen Serbien gewonnen und die Deutschen noch abgefangen hat. Am Freitag um 15.45 Uhr geht es für die “Ladies” gegen den WM-Dritten Rumänien um Platz fünf.

 

Zum Spiel der Schwedinnen gegen Deutschland war das Scandinavium in Göteborg wie erwartet gut besucht. Bis zur 20. Spielminute schien es eine Show für die Schwedinnen werden zu können, die immer wieder vorlegten. Fußballfans mochten sich danach an 7:0 im WM-Halbfinale 2014 gegen Gastgeber Brasilien erinnert fühlen. Denn die DHB-Ladies kassierten bis zur 36. Spielminute kein Gegentor mehr und setzten sich nach dem 9:8 auf 10:16 ab. Clara Woltering parierte serienweise blickte am Ende auf 16 Paraden. Schweden konnte zwar in der zweiten Halbzeit mithalten, Bieglers Sieben verwaltete aber den Vorsprung engagiert und ging als 22:28 (9:12) Sieger vom Feld.

 

Jamina Roberts legte für Schweden vor. Svenja Huber egalisierte, im schnellen Spiel nach vorne machte die DHB-Auswahl in den ersten Momenten der Partie aber, wie schon gegen Spanien, einige Fehler. So ließ die Biegler-Sieben eine frühe Führung zunächst liegen. Und nachdem Anna Lagerqvist beim Wurf den Kreis betreten hatte, setzte Saskia Lang den Ball in der ersten Welle auf die Querlatte, statt das 2:3 zu markieren. Bei aller Kritik blieb es doch ein offener Schlagabtausch, da auch die Schwedinnen Ballverluste produzierten. Und auch beide Deckungsreihen hatten zunächst durchaus Probleme mit den Zweikämpfen. Die große Bedeutung der Partie für beide Teams wirkte sich aus.

 

Schweden versuchte nach zehn Minuten teilweise mit Hanna Blomstrand die Angriffe druckvoller vorzutragen. Nun zeichnete sich Clara Woltering mehrmals nacheinander aus und erhielt das 4:4-Remis lange aufrecht. Aber auch Johanna Bundsen parierte erneut stark, sodass es keine deutsche Vorlage gelingen wollte. Louise Sand hielt Tre Kronor nach einem Ballverlust auf der linken Position aufrecht, ehe Anne Hubinger netzte. Die Schlussleute, noch nicht so sehr die Deckungs-Reihen prägten die Partie. Henrik Signell zückte nach 15 Minuten beim Stand von 6:6 die Grüne Karte. Jenny Karolius deckte nach der Unterbrechung auf der rechten Position, Behnke kam rein und traf zum 6:7.

 

Deutschland erfuhr nun eine vierminütige Torflaute, statt nachzusetzen. Schweden drehte das Spiel umgehend. Das DHB-Team vertändelte, nach dem Anschlusstreffer von Hagman, erst den Ball und war dann, nach einer Woltering-Parade, unaufmerksam. Der Ball ging direkt verloren. Woltering war gegen Gullden chancenlos und machte ihrem Ärger Luft.

 

Ida Oden sorgte sogar für die 9:7-Vorlage, ehe Naidzinavicius die Torflaute beendete. Lone Fischer blieb danach an Bundsen kleben. Nach einem Ballgewinn von Naidzinavicius machte sie ihren Fehler jedoch wett und egalisierte zum 9:9. Nach 24 Spielminuten schien sich die DHB-Deckung sortiert zu haben. Die Kommunikation in der Abwehr funktionierte in dieser Phase großartig. Mehrere Ballgewinne folgten. Ein von Kim Naidzinavicius verwandelter Siebenmeter und ein von Huber genutzter Konter brachten die 9:11-Führung (26.).

 

Hinzu kamen zwei Weltklasse-Reflex der pfeilschnellen Clara Woltering. Das brachte Selbstbewusstsein: Emily Bölk besorgte das 9:12 (28.). Eine weitere Woltering-Parade folgte, wobei Schweden seit nunmehr sieben Minuten auf einen Treffer wartete. Dennoch war es Michael Biegler, der 99 Sekunden vor der Pause die Auszeit nahm. Gullden wurde hinausgestellt, die Überzahl brachte aber nichts. Die Halbzeit endete mit Wolterings zehnter Parade.

 

Schweden hatte Anwurf zur zweiten Halbzeit, Carin Stromberg spielte nun auf der Position im zentralen Rückraum. Anna Lagerqvist verzog ihren Wurf, Lone Fischer stellte auf 9:13, Emily Bölk erhöhte. Tre Kronor schien den Kopf in der Kabine gelassen zu haben. Der Rückzug der DHB-Sieben war nach einem Fehler zudem fantastisch gut. Voll fokussiert gingen Bieglers Ladies in die zweite Halbzeit. Nach 34 Minuten ließ Wohlbold den Vorsprung auf sechs Tore anwachsen, Alicia Stolle auf sieben. Ob die schwedischen Fans mit dem rhythmischen Applaus, wenn Deutschland im Angriff war, die DHB-Auswahl aus dem Konzept bringen wollte, blieb unklar. Schweden unterbrach das Spiel.

 

Zur Erinnerung: Nach 21 Spielminuten war Schweden mit 9:8 vorne gelegen, eine Viertelstunde später leuchtete ein 9:16 vom Videowürfel. Jamina Roberts erkämpfte nun gegen Alicia Stolle einen Siebenmeter, den Nathalie Hagmann gegen Katja Kramarczyk verwandelte. Clara Woltering steigerte ihre Quote dennoch weiter. Nach 40 Minuten, beim 10:17, lag sie bei 64 %. Alicia Stolle gelang beim 10:18 ein Abstaubertor. Kurz darauf wurde sie nach einem Foul an Jamina Roberts hinausgestellt. Es war die erste Zeitstrafe für Deutschland, die zweite insgesamt. Schweden schien es nun wissen zu wollen und zog Roberts in der Deckung gegen die zurückgewechselte Anna Loerper hinaus.

 

Einmal mehr agierte Deutschland nun mit zwei Spielmacherinnen, denn Kerstin Wohlbold blieb auf dem Feld und besorgte das 12:19. Der Vorsprung war zwischenzeitlich ein wenig geringer geworden, weil im Angriff nicht mehr ausschließlich Aufsetzer geworfen wurden, gegen die weder Idehn noch Bundsen eine besonders gute Figur gemacht hatten. Nach 45 Minuten verbreitete das 13:21 wieder etwas mehr Sicherheit. Doch Schwedens eingewechselte Filippa Idehn brillierte brillierte und blickte bei neun Würfen auf vier Paraden – Woltering freilich bei 30 Würfen auf 17. So schien in der Schlussphase nichts mehr anzubrennen und die Teilnahme am Spiel um den fünften Platz sicher.

 

Emily Bölk verstärkte die Hoffnungen mit dem 15:22 (50.). Schweden konnte bislang lediglich mithalten und glich, was die letzte Phase der Partie anging, zum 6:6 aus. Die Deckung von Tre Kronor war nicht schlagkräftig genug, auch wenn die Spielerinnen von Henrik Signell noch einmal aufdrehten. Deutschland schien derweil den gestrigen Ruhetag und das morgendliche Training vollauf genutzt zu haben. Sechs Minuten vor Schluss legte Michael Biegler beim Stand von 18:24 die grüne T2-Karte. Spätestens, als Julia Behnke im Gegenstoß auf 20:27 stellte, war das Spiel drei Minuten vor Schluss entschieden. Schweden konnte nicht mehr in den Kampf um den fünften Platz engreifen. Der 22:28-Sieg ermöglicht Deutschland dies.

 

Schweden – Deutschland in Göteborg 22:28  (9:12) 

 

Deutschland: Woltering, Kramarczyk, Eckerle; Lang (1), Karolius, Schmelzer, Loerper (2), Behnke (3), Kramer (1), Naidzinavicius (3/1), Hubinger (3), Bölk (5), Huber (2), Fischer (2), Wohlbold (4), Stolle (2).

 

Schweden: Bundsen, Idehn;  Ekenman-Fernis (1), Strömberg (2), Blohm (1), Roberts (1), Sand (2), Westberg, Wall, Lagerquist (2), Gullden (3/1), Blomstrand  (1), Hagman (4/4), Jacobsen, Oden (1), Alm (4)

 

Zuschauer in Göteborg: 5031. – Schiedsrichter: Brunovsky/Canda (Sllowakei). – Zeitstrafen: 6:4 Minuten (Lagerquist, Gullden, Jacobsen – Kramer, Stolle). – Siebenmeter: 5/6:2/3  (Gullden und Huber verwerfen . – Spielfilm:  2:2 (6.), 4:4 (11.), 6:5 (15.), 9:7 (21.), 9:10 (25.), 9:12 (Halbzeit) 9:16 (36.), 12:19 (43.), 16:22 (50.), 19:25 (55.), 22:28 (Endstand)

 

„Hut ab vor diesem Team“ – die Stimmen zum Sieg über Schweden

 

Eine stärkere Physis, eine überragende Clara Woltering und die bessere Abwehr – dass diese Faktoren entscheidend für den 28:22-Erfolg der deutschen Handballerinnen im letzten Hauptrundenspiel gegen EM-Gastgeber Schweden war, darin waren sich alle Beteiligten einig. Die Stimmen zum Spiel:

 

Bundestrainer Michael Biegler: Die Mannschaft darf absolut zufrieden sein, denn wir sind immer am Ball geblieben. Die Gesamtphysis hat das Spiel entschieden. Ich bin stolz, dass wir noch ein weiteres Spiel haben, das bringt und für unser Projekt, die Heim-WM 2017, wieder einen Schritt weiter. Am Anfang haben wir uns noch zu viele Fehler erlaubt, aber dann waren wir gegen einen starken Gegner auf dem richtigen Weg,

 

Svenja Huber: Wir waren physisch stärker als die Schweden, das war entscheidend – und wir haben sie mit ihren Waffen, vielen Gegenstoßtoren, geschlagen. Wir haben unseren Plan durchgezogen – und das Spiel hat uns richtig gut getan. Nun gehen wir ins Hotel und schauen uns im Fernsehen an, was zwischen Frankreich und Serbien passiert. Egal, was kommt, wir haben am Freitag ein kleines Endspiel.

 

Anna Loerper: Ich freue mich total, wie wir diesen Sieg eingefahren haben. Clara Woltering hat überragend gehalten und die Abwehr stand sicher. Das wir mindestens um Platz fünf spielen, ist ein toller Erfolg. Schweden hatte nachher nicht mehr die Energie, wir waren athletisch ganz klar obenauf. Jetzt warten wir einfach ab, was passiert und freuen uns auf ein Bonusspiel.

 

Clara Woltering: Das war eine tolle Leistung der Mannschaft auf die wir alle stolz sein können. Hut ab vor diesem Team. Wir haben wieder einen Schritt näher heran an die Weltspitze gemacht.

 

Emily Bölk: Wir freuen uns total, dass wir weiterspielen dürfen. Wir haben jetzt schon mehr erreicht, als uns viele zugetraut hatten. Das war eine Superleistung heute – und nun drücken wir Serbien die Daumen.

 

Anne Hubinger: Entscheidend war, dass wir weniger Fehler, dafür aber mehr einfache und schnelle Tore als Schweden gemacht haben.

 

Schwedens Trainer Henrik Signell: Deutschland war die bessere Mannschaft. Wir wollten unbedingt gewinnen, aber uns fehlte die Kraft. Am Ende waren wir auch mental platt und haben nicht mehr an uns geglaubt – und dann kannst du so ein Spiel auch nicht mehr drehen.

 

Quelle: www.dhb.de und www.hbf-info.de