BSV schlägt Neckarsulm – ohne Emily Bölk (TAGEBLATT-Bericht mit Video)

BUXTEHUDE. Der Buxtehuder SV hat die Hinrunde mit einem 35:24-Sieg gegen die Neckarsulmer Sport-Union beendet, mussten aber auf Emily Bölk verzichten. Die Nationalspielerin, die ihren Weggang zum Saisonende bekanntgegeben hatte, war dennoch Gesprächsthema.

 

Wenige Minuten vor der Pause trifft das Schiedsrichter-Gespann zwei Entscheidungen: erstens, Siebenmeter für die Gäste, und, zweitens, sollen Emily Bölk und Yara Nijboer, die beiden verletzten Buxtehuderinnen, ihren Platz am Spielfeldrand räumen. „Vielleicht waren wir den Schiedsrichtern zu emotional“, wird Bölk später sagen. Die beiden wechseln jedenfalls die Seite, nehmen neben dem Wischer auf Turnkästen Platz und feiern Lea Rühter. Die junge BSV-Torhüterin vereitelt sowohl den Strafwurf als auch den Nachwurf.

 

Es ist ein ungewohnter Anblick. Noch nie hat Emily Bölk ein Pflichtspiel seit ihrem Debüt in der Saison 2014/15 verpasst. Und nun, ausgerechnet auf der Zielgeraden ihrer Zeit beim BSV, muss die 19-jährige Nationalspielerin vom Spielfeldrand aus zuschauen. „Es war schon ein komisches Gefühl, wichtiger ist aber, dass die Mannschaft zwei Punkte im Kampf um Platz vier geholt hat“, sagt Bölk. Unter der Woche blieb sie im Training mit dem linken Ringfinger im Leibchen von Jessica Oldenburg hängen und zog sich einen Haarriss zu. „Ein perfekter Bruch, der schnell heilt“, sagt Trainer Dirk Leun. Die Befürchtung, dass Bölk bis zu fünf Wochen ausfällt, bewahrheitete sich nicht. Es sind nur zehn Tage.

 

Auch wenn Emily Bölk am Sonntag nicht auf dem Spielfeld stand, war sie das Gesprächsthema in der Halle Nord. Am Anfang der vergangenen Woche hatte der BSV nämlich bekanntgegeben, dass sie ihren Vertrag nicht verlängern wird. Bölk sucht eine neue Herausforderung. Aber wo, das war noch offen. Und so begann die Gerüchteküche zu brodeln. Auch am Sonntag nach dem Spiel konnte Bölk noch keinen Verein nennen. Den Vertrag bei ihrem neuen Club habe sie aber bereits unterschrieben, sagt sie. Wird es der Thüringer HC, wie in gut unterrichteten Kreisen gemunkelt wird? „Dazu werde ich nichts sagen.“

 

 

Der Beitrag des TAGEBLATT-TV zum Heimsieg gegen Neckarsulm (auf das Bild klicken).

 

Goos und Knippenborg überrascht

 

Und das war nicht die einzige Personalie, die in der vergangenen Woche für Aufsehen sorgte. Die niederländischen Nationalspielerinnen Lynn Knippenborg und Michelle Goos müssen den Verein am Saisonende verlassen. „Ich war schon überrascht, das hatte ich nicht erwartet“, sagt Goos. „Ich hatte irgendwie schon ein komisches Gefühl“, sagt Knippenborg. Als Manager Peter Prior sie dann zum Gespräch gebeten hatte, war ihr klar, dass es so kommt. „Aber das ist das gute Recht des Vereins, wenn er eine neue Mannschaft mit jungen Spielerinnen aufbauen möchte“, sagt Knippenborg und spielt damit auf den Sparkurs des BSV an.

 

Wie es für die Niederländerinnen weitergeht, ist noch offen. Die beiden verraten nur, dass sie bei anderen Vereinen kurz vor Vertragsabschluss stünden. Dass die beiden in der kommenden Saison wieder auf den BSV treffen, ist sehr wahrscheinlich.

 

Wenige Minuten zuvor hatten Goos/Knippenborg und ihre Mannschaft einen ungefährdeten Sieg gegen Neckarsulm gefeiert. „Der Sieg ist gut für das Selbstvertrauen, nachdem wir die letzten beiden Spiele verloren haben“, sagt Knippenborg. Entscheidend war zum einen der Torwartwechsel nach elf Minuten, als Lea Rühter für Julia Gronemann ins Spiel kam und 13 glänzende Paraden folgen ließ. Und zum anderen eine Jessica Oldenburg, die mit 14 Toren nicht zu bremsen war und den Ausfall von Bölk damit eindrucksvoll kompensierte. „Heute muss ich wirklich zufrieden sein“, sagt Leun.

 

Borutta bekommt Spielanteile

 

Zufrieden war der BSV-Trainer auch mit der Leistung von Lisa Borutta. Die Perspektivspielerin heimste viele Spielanteile ein, agierte ruhig und konzentriert im rechten Rückraum und erzielte zwei Treffer. „Sie entwickelt sich kontinuierlich weiter“, sagt Leun. Aufgrund der hohen Führung kamen alle zwölf Feldspielerinnen zum Einsatz, darunter auch Aimée von Pereira. Das Nachwuchstalent feierte in der 39. Spielminute sein Bundesliga-Debüt und durfte in der Abwehr ran. Lone Fischer und Lisa Prior standen nach überstandener Grippe beziehungsweise Handgelenksverletzung ebenfalls wieder auf dem Feld.

 

Der Buxtehuder SV hat die Hinrunde nun als Tabellenvierter beendet. „Wir sind damit nicht unzufrieden“, sagt Leun und ruft den Zuschauern bei der Pressekonferenz den langen und erschwerenden Ausfall von Jessica Oldenburg in Erinnerung. Andererseits habe sich der BSV-Trainer schon zwei bis vier Punkte mehr gewünscht. So aber steht der BSV nur aufgrund des besseren Torverhältnisses auf Platz vier. Göppingen und Blomberg haben jeweils genauso viele Punkte, und zwar 16:10. „Wir haben noch alle Chancen, Platz vier zu erreichen“, beruhigt Leun. „Dafür werden wir in der Rückrunde alles tun.“

 

Die Statistik zum Spiel

 

Spielverlauf: 3:2 (5.), 7:6 (11.), 11:8 (17.), 16:11 (25.), 20:11 (Halbzeitstand), 24:12 (37.), 26:17 (43.), 30:22 (50.), 32:23 (56.), 35:24 (Endstand).

 

Buxtehuder SV: Rühter, Gronemann, Peveling; von Pereira, Borutta 2, Meier, Fischer 5, Haurum, Gubernatis 4/2, Knippenborg 4, Schirmer 2, Oldenburg 14, Goos, Kaiser 3, Prior 1/1.

Neckarsulmer Sport-Union: Sattler, Brausch; Kalmbach 2, Hoffmann, Breitlinger 2, Gerber 3, Mack, Kaufmann, Daniels 3/2, Namat 1, Ineichen 2, Reimer 7/4, Moldrup 4.

 

Zeitstrafen: 2 (Borutta 1, Oldenburg 1) – NSU 4 (Reimer 2, Daniels 1, Ineichen 1).

Siebenmeter: BSV 5/3 (Gubernatis 3/2, Prior 2/1) – NSU 7/6 (Reimer 4/4, Daniels 3/2).

Zuschauer: 1122

Schiedsrichter: Martin Thöne und Marijo Zupanovic

 

Nächstes Spiel: HC Rödertal – BSV (Sonnabend, 17. Februar, 17.30 Uhr, Sporthalle Großröhrsdorf).

 

3 Fragen an BSV-Torhüterin Lea Rühter

 

BSV-Trainer Dirk Leun hat Sie in höchsten Tönen für ihre Leistung gegen Neckarsulm gelobt. Was war Ihr Erfolgsrezept?

Ich hatte anfangs ein paar Schwierigkeiten, ins Spiel zu kommen. Aber dann hat es nach und nach funktioniert. Das Beste war, dass mich Torwarttrainerin Debbie Klijn und vor allem Antje (Peveling; Anm. d. Red.) und Jule (Julia Gronemann) mega gepusht haben und mir gezeigt haben, dass ich es kann. Dadurch konnte ich frei aufspielen und hatte ein gutes Gefühl für das ganze Spiel.

 

Nach elf Minuten sind Sie für Julia Gronemann ins Spiel gekommen. War das geplant oder sind Sie einfach ins kalte Wasser geworfen worden?

Geplant war nichts. Ich wurde einfach ins kalte Wasser geworfen. Mir wurde gesagt: Lea mach’s, du kannst das! Und dann habe ich das Beste daraus gemacht.

 

Sie sind die dritte Kraft im Tor. Fühlen Sie sich schon gleichberechtigt mit den beiden Routiniers?

Ich fühle mich auf jeden Fall gut aufgehoben. Ich finde, dass wir ein gutes Team sind. Es gibt mir Mut, dass ich es auch dahin schaffen kann, wo die beiden schon sind. Und ich glaube, ich habe noch einen weiten Weg vor mir und kann mit den beiden an meiner Seite noch viel erreichen.

 

Quelle: TAGEBLATT (Tim Scholz) vom 12.02.2018